Als Bundespräsident gut geeignet - in seiner dem Menschen zugewandte Art, dabei kommunikativ stark - auch hier ...
Aber auch als Wirtschaftsminister? Zweifel sind erlaubt, wenn man einen Blick auf die aktuelle Wirtschaftslage wirft. Doch neben den Zweifeln bleibt die Frage, wie konnte es so weit kommen. Und eine einigermaßen treffsichere Antwort kann man sicher nicht an einer einzigen Person festmachen, auch nicht unbedingt an einer Partei. Es war ein Weg mit vielen Entscheidungen, die in den jeweiligen Situationen, also aus der aktuellen Betrachtung, vermutlich die beste Lösung für ein Problem darstellten. Aber reicht ein solch kurz- oder vielleicht mittelfristiger Weg aus, um die als notwendig erkannten Schritte auch zu gehen? Hier ringen alle demokratischen Parteien um eine Lösung. Schön wäre es, wenn aus diesem Ringen nicht nur konfrontative Spannungen entstünden, sondern ein gemeinsamer Auftrag, unter einer Art Leitstern - wie dies Robert Habeck hier Buch darstellt: "'Wir', das sind die unterschiedlichsten Menschen, die sich darauf verständigen, zum gleichen Zeitpunkt gemeinsame Probleme zu lösen. Das bedeutet umgekehrt, das ¿wir' nicht die Gleichen sind, schon gar nicht homogene Volksgleiche. Es bedeutet auch, dass eine Gesellschaft zu sein eher ein Auftrag ist als ein Faktum. Aber eben ein notwendiger Auftrag. Ohne die regulative Idee, dass wir gemeinsam handeln können, kommen wir nicht klar, weder miteinander noch in der Welt."In diesem Sprachduktus ist nahezu das gesamte Buch verfasst: analysierend, darstellend, um Lösungen ringend. Doch reicht dies aus, um zumindest das Gros der Bevölkerung zu überzeugen, hinter sich zu bringen, um dann in dem besagten "Wir" friedliche, ausgleichende, einander zugewandte Lösungen nicht nur zu erarbeiten, sondern auch umzusetzen. Man glaubt den Zweifel zu spüren - um dann doch festzustellen, dass Resignieren keine Alternative darstellt. Daher lautet eine grundlegende (weitere) Erkenntnis, dass wir ein gemeinsames, ein geeintes Europa brauchen, um in der Welt (und mit der Welt) bestehen zu können - und zwar mit Deutschland als eine Art Führungskraft mit einer Art "hängender Spitze, aus der zweiten Reihe sozusagen." Und weiter: "Führung ist nicht die Kunst zu sagen, wo es langgeht, sondern bei anderen so viel Vertrauen herzustellen, dass sie den Weg mitgehen wollen."Es sind zum großen Teil wohlausgewogene Wort, die wir hier zu hören bekommen, die einen Blick auf Deutschland, Europa und die Welt erlauben, der zwar stark persönlich eingefärbt ist, aber dennoch eine Möglichkeit bietet, dem Leser ein wenig Hoffnung zu machen. Auch wenn das bedeuten muss, ein wenig von dem Eingeübten und Vertrauten über Bord schmeißen zu müssen - beispielsweise die exorbitante Risikovermeidungsstrategie, die "den Beamten", den politischen Entscheidungsträgern, als Auftrag gegeben, der wirtschaftlichen wie gesellschaftlichen Entwicklung aber im Wege steht: "Und die Lösung ist, Verantwortung nicht auszulagern, sondern zu übernehmen. Und das meine ich wörtlich. Denn wenn wir nicht alles ganz genau regeln wollen, dann heißt das,, dass einiges ungeregelt bleibt.