Ich habe tatsächlich viel gutes von der Serie gehört und dann erfahren, dass es eine Buchvorlage gibt - die dann doch noch viel besser sein muss.In der Tat zieht einen der Stil die Leser*in sofort in die Geschichte - es ist dynamisch geschrieben, fast schon rasant.Auch die Geschichte selbst, hat inhaltlich viel zu bieten. Mutterschaft ist an sich schon kein einfach zu bedienendes Thema und eine Teenieschwangerschaft ist es erst recht nicht und dann auch noch als alleinerziehende in Amerika - heikel, dort ehrlich zu bleiben und ohne Klischees auszukommen, aber das gelingt diesem Buch sehr gut.Ich feiere die radikale Ehrlichkeit: Margo liebt dieses Kind und trotzdem ist ihre Situation maximal besch...eiden. Da wird nichts beschönigt oder romantisiert. Vor allem ihre Einsamkeit wird deutlich, wie sie da völlig alleine durch muss, ohne Hilfe, ohne Verständnis geschweige denn Anerkennung. Es ist richtig gut eingefangen worden, wie alle es immer gut meinen, aber ihr letztlich den Dolch in den Rücken rammen: Ihre Chefin, die sie mag, aber sie halt nicht mehr rund um die Uhr zur Verfügung steht, weil sie sich um ein Kind kümmern muss, oder die Mitbewohnerinnen, die plötzlich ausziehen, weil die Nächte über ständig ein Kind schreit und sie keine Ahnung hat, wie sie die Miete zahlen soll.Am wenigsten von ihrer Mutter, die selbst früh schwanger wurde, ihr aber nicht im geringsten eine Unterstützung ist. Ähnlich ihr Vater, der nie wirklich für sie da war, weil er noch eine "echte Familie" hat und sie nur die Tochter der Affäre ist und trotzdem ist er der einzige aus ihrer Familie, der wenigstens versucht ihr zu helfen.Ich habe mich ebenfalls sehr wohl bei dem Gedanken erwischt, dass sie auch irgendwie selbst schuld ist. Alle hatten sie gewarnt, dass es sehr schwer für sie sein wird, wenn sie das Kind behält - sie hat es tatsächlich maßlos unterschätzt, hat sich während der Schwangerschaft keinerlei Gedanken gemacht, wie sie das schaffen will: Job, Kinderbetreuung, etc. Das Buch lässt dort nichts aus und nimmt alle Zwischentöne mit.Ein weiteres wichtiges Thema ist das Geld verdienen mit Only-Fans und damit verbundene Stigma. Die Doppelmoral die über ihr als junge Frau ausgekippt wird: Niemand hilft ihr finanziell, sie hat keine Chance auf einen Job , keine Aussicht und Zukunft, aber sie ist jung und schön und kaum geht sie in die Selbstständigkeit mit Onlyfans und schlägt daraus Kapital, ist die Verurteilung riesig. Feministische Perspektiven spielen immer mal wieder mit rein, aber auch die Scham und Unsicherheit bekommt Raum. Ebenso wie der Zusammenhalt von Frauen, wenn auch etwas am Rande.Auch Themen wie Suchtpotential und die Gefahren von Social Media, aber auch Selbstvermarktung werden aufgegriffen. Vor allem greif das Buch auf, wie unfair Behörden mit ihren Gängelungen sind, sie behaupten nur helfen zu wollen und halten sich für gerecht, dabei geht es um Macht. Gleiches gilt für das Rechtssystem, welches man sich leisten können muss, sonst ist man diesem hilflos ausgeliefert oder hat schlicht keinen Zugang, obwohl immer das Gegenteil beschworen wird.Alles in diesem Buch wirkt recht unkonventionell und ist bildet doch die Realität ab, die viele alleinerziehende Mütter kennen dürften. Es ist dabei auch nicht verbittert oder eine reine Anklage - es bewahrt die Balance und bietet durchaus auch Witz und Absurdität. Auch wenn mir nicht alles daran sonderlich gut lag, kann ich es anerkennen.Das Ende kam da fast schon recht abrupt und vermutlich bewusst vage - irgendwie muss es halt enden, aber 100%ig befriedigend fand ich es nicht.Trotzdem ist es insgesamt ein wirklich gutes Buch. Es lässt sich super gut und schnell lesen, ist aber alles andere als bedeutungslos oder gehaltlos.Jetzt bin ich auf die Serie gespannt - mal sehen, ob das Buch tatsächlich gut umgesetzt wurde.