So macht Geschichte Spaß!
"Warum ist es Ehrlichkeit, wenn ein Mann sagt, was er denkt, und Wahnsinn, wenn eine Frau es tut?""Thronräuber" ist der erste Band von Sharon Penmans historischer Romanreihe über die Plantagenets. Die Reihe ist bereits 1995 in New York erschienen, 2025 haben wir dann auch die Übersetzung von Heyne und Julian Haefs bekommen."Bei Einbruch der Nacht verströmte die Stadt eine unheimliche, furchtbare Schönheit. Die Flammen erhellten die Dunkelheit meilenweit, der Rauch hüllte die Gebäude in einen grellorangen Glanz, und jedes Mal, wenn der Wind drehte, sanken Asche und Glut wie feurige Schneeflocken herab."Als im November 1120 sein einziger leiblicher Sohn und Thronfolger William bei einem Schiffsunglück vor der Küste der Normandie stirbt, steht König Henry I plötzlich ohne Thronfolger da und England am Rande einer Krise. Kurzerhand ernannte König Henry I seine Tochter Maude zu seiner Thronfolgerin und verpflichtete seine Barone Maude als Erbin und Thronfolgerin anzuerkennen. Zudem befahl er Maude Geoffrey Plantagenet Graf von Anjou zu ehelichen. Eine Ehe, die vor allem Maude viel Leid brachte.Als König Henry I im Dezember 1135 verstarb, war der Schwur seiner Barone jedoch schnell vergessen - denn eine Frau als Regentin? Undenkbar! Und so sammelten sich die Barone hinter dem Schwert von Stephen von Blois, einem Neffen des alten Königs, um ihm auf den Thron zu verhelfen. Damit beginnt ein blutiger Konflikt, den Maude gibt nicht so schnell auf ..."Meine Zukunft wird sich in Lincoln entscheiden, aber nicht durch mich. Ich kann nicht einmal dabei sein, um Zeugin zu sein, wie andere über mein Schicksal bestimmen. Weil der Herrgott es für angebracht hielt, mich zu einer Frau zu machen, kann ich nichts tun als warten."Das Buch beginnt mit einem wirklich tollen Vorwort von Rebecca Gablé, das meine Erwartungen an diesen historischen Roman sogar noch etwas nach oben geschraubt hat. Und ja, dieser Roman ist wundervoll recherchiert. Der Fokus liegt hier deutlich auf der politischen Geschichte des Bürgerkriegs und weniger auf den zwischenmenschlichen Dramen, was natürlich dazu führt, dass zu den Figuren weniger Nähe entsteht wie z. B. bei Gablé. Penman mag es zwar im Gegensatz zu Gablé an Charakternähe fehlen lassen, aber sie lässt das England des 12. Jahrhunderts gekonnt lebendig werden. Sie schafft es, trotz ihrer leicht dokumentarisch anmutenden Erzählweise, all die historischen Fakten so in eine Geschichte zu verweben, dass ich beim Lesen das Gefühl hatte: Genau so muss es gewesen sein! Penman hat es geschafft diesen Teil der Geschichte Englands greifbar zu machen und die lebendigen Dialoge tun hier ihr Übriges.Für mich war das ein toller Auftakt in die Geschichte der Plantagenets und ich freue mich nun sehr auf Band 2."Ich leugne ja nicht, dass ich Fehler gemacht habe, aber du weißt ja nicht, wie das ist, Robert, so ungerecht behandelt zu werden. Nicht wegen deiner Taten zurückgewiesen zu werden, sondern wegen dem, was du bist. Es ist wie ein Gift, das langsam in die Seele sickert und einen halb in den Wahnsinn treibt mit dem Drang, sich zu beweisen ..."