Zweig entwirft in »Brasilien. Ein Land der Zukunft« (1941) ein hymnisches, zugleich essayistisches Porträt des Kontinentalstaats zwischen Atlantik und Amazonas. In der Mischung aus Reisebericht, Kulturgeschichte und ökonomischer Skizze preist er Immigration, ethnische Durchmischung, religiöse Toleranz und die weite Geographie als Motor einer friedlichen Moderne. Der geschmeidige, bildreiche Stil folgt seiner humanistischen Versöhnungsidee; zugleich bleibt der optimistische Blick des Exils blind für den autoritären Estado Novo und soziale Brüche. Der österreichisch-jüdische Kosmopolit, seit 1934/38 vertrieben, schrieb das Buch im brasilianischen Exil, zuletzt in Petrópolis. Auf der Suche nach Gegenbildern zur europäischen Barbarei sah er in Brasilien ein Labor supranationaler Zivilität, in dem Hybridität als Ressource gilt. Seine Skepsis gegenüber Politik und sein Glaube an leise Zivilisierungskräfte prägen die idealisierende Anlage. Empfehlenswert für Leserinnen und Leser von Exilforschung, Lateinamerikastudien und Kulturgeschichte: als Zeitzeugnis europäischer Projektionen in den Globalen Süden und als poetische Landeskunde. Wer es neben kritischer Historiographie liest, gewinnt Einsicht in die Hoffnungsökonomie eines verjagten Intellektuellen und in die Frage, wie Zukunft als ästhetische Kategorie entsteht.
Quickie Classics fasst zeitlose Werke präzise zusammen, bewahrt die Stimme des Autors und hält die Prosa klar, schnell und gut lesbar - destilliert, niemals verwässert. Extras der erweiterten Ausgabe: Einführung · Zusammenfassung · Historischer Kontext · Autorenbiografie · Kurze Analyse · 4 Reflexionsfragen · Redaktionelle Fußnoten.