Bericht in Romanform, der nachdenklich zurücklässt
Ende des 18. Jhd kam es in besonders harten Jahren durchaus vor, dass arme sehr kinderreiche Familien nicht mehr in der Lage waren, alle Kinder zu ernähren. Da galt es als gnadenvoll, das jüngste und schwächste Kind schnell zu erlösen. Aber hier brachte eine Mutter es nicht übers Herz, dies "richtig" zu tun und das Kind lebte, überlebte. Es wächst im Wald auf, allein! Mit elf Jahren wird es gefunden und letztlich eingefangen.Das wilde Kind" von T.C.Boyle ist eher ein Bericht, mit fiktiven emotionalen Zügen. Neutral und distanziert, berichtet der Autor von den Geschehnissen rund um dieses besondere Kind. Gleichzeitig verleiht er ihm Empfindungen, bzw. sucht seine ganz persönliche Erklärung, warum es an bestimmten Emotionen mangelt. Verschiedene Ärzte versuchen das Kind für ein gesellschaftliches Leben zu zivilisieren, scheitern aber letztlich alle an der Psyche des Kindes und am eigenen begrenzten Denken ihrer Zeit. Mein Fazit: Kein langes, aber ein intensives Buch, dass mehr als viele Geschichtsbücher auch ein gesellschaftliches Bild der Zeit zeichnet. Der Autor greift den realen Fall des wilden Kindes auf und verleiht ihm eine Stimme ohne diese je wirklich selbst zu erheben. Gekonnt findet er den Grat zwischen Bericht, realistisch anmutender Fiktion und historischen Fakten. In meinen Augen definitiv lesenswert.