Spoilerfreie Meinung¿Ich konnte Warner endlich mehr kennenlernen. Ich verstehe nun mehr, was sein Kontext und seine Gedanken sind. Ist er mir deshalb sympathischer als Adam? Nein. Dafür muss er sich noch ein bisschen ins Zeug legen. Ich bin sehr gespannt, wie Band 2 weitergeht.Achtung, ab hier folgen Spoiler¿Setting ¿¿¿¿,5Ich habe ein bisschen mehr die Welt, vorallem die Strukturen des Regimes, begriffen. Im ersten Band wusste ich noch nicht, dass es ein (oder mehrere?) Kapitole gibt, die Sektoren haben. Auch die Unterschiede zwischen den Soldaten (im Sektor vs. bei seinem Vater) und die Lebensverhältnisse wurden für mich deutlicher.Charaktere ¿¿¿¿,5Ich verstehe Warner nun mehr, aber das bedeutet nicht, dass sein ganzes Verhalten aus Band 1 erklärbar ist. Ich hatte das Gefühl, es mit drei verschiedenen Arten von ihm zu tun zu haben:1. der obsessiv, verliebte, besitzergreifende WarnerEs wirkt fast wie eine parasoziale Beziehung. Er kennt sie in allen Details. Sie weiß fast nichts über ihn. Aus Juliettes Perspektive wirkte es nicht so, als wolle sie mit ihm eine Beziehung eingehen. Aber er hat sich bereits eine Zukunft mit ihr vorgestellt. Er hat Respekt vor ihr, bewundert sie sehr und idealisiert sie aber auch. Im gleichen Augenblick denkt er dann sowas wie "Aber ich spürte, dass ich Juliette haben wollte. Für mich ganz alleine." Es wirkt auf mich immer noch so, als wollte er sie besitzen, weil sie besonders ist. Und nicht, dass er mit ihr eine ebenbürtige Beziehung eingehen möchte. Seine Eifersucht auf Adam nimmt Ausmaße an, bei denen ich mich frage: Aus welchem Grund nimmt er an, dass er soviel besser für sie ist? Vielleicht ist er der "Dummkopf", der denkt, er sei ihr gewachsen. Vielleicht weißt du nicht, wer sie wirklich ist. 2. der Soldat WarnerEr erteilt Befehle und möchte auch, dass diesen schnell nachgekommen wird. Er möchte, dass seine Soldaten Angst vor ihm haben ("Er wirkt zwar meist verängstigt in meiner Gegenwart, hat aber kein Interesse daran, mich zu entmachten.") Vielleicht hat er es so gelernt. Vielleicht gefällt ihm das auch irgendwo. 3. der menschliche WarnerDas ist die Seite, die ihn sympathischer macht. Im Vergleich zu seinem Vater, sieht er hinter die Fassade (z.B. bei Fletchers Familiensituation). Er zeigt sich interessiert an den Menschen. Die Beziehung zwischen ihm und Delalieu ist fast freundlich, vielleicht fast freundschaftlich. Er kann Empathie empfinden. Wie er sich im Verlauf des Buches an den Kaffee annähert, fand ich sehr lustig. Man merkt, wie er sich immer mehr auf Delalieu einlassen kann. Handlung ¿¿¿Es gibt sehr wenig Ereignisse, die die Handlung voranbringen. Das hatte ich aber auch erwartet, da man primär mehr über Warner erfährt. Es ist nicht Band 2 und soll lediglich einen Einblick in die Welt geben. Mit mehr Handlung wäre die Charakterentwicklung vielleicht anders ausgefallen. Um ihn besser zu kennen, muss man mit ihm ein paar Tage in seinem "Alltag" verbringen.Schreibstil-Gefühl ¿¿¿¿¿Ich bin absolut verliebt in diesen Schreibstil. Er ist ein bisschen anders als im ersten Band. Aber für mich scheint das logisch, da es Warners Gedanken und nicht Juliettes sind. Und Juliettes Notizen fühlen sich genauso wie in Buch 1 an. Ich fand das so beeindruckend, wie eindeutig der Schreibstil von Juliette getroffen wurde. Mir ist bewusst, dass es die gleiche Autorin ist. Aber in einigen Büchern kann der Schreibstil nicht aufrechterhalten werden, hier schon.Unterhaltung ¿¿¿¿¿Die Novelle hat mich absolut in ihren Bann gezogen. Von Momenten, die ich auf persönlicher Ebene vollkommen nachvollziehen kann ("Finde es unerträglich, dass ich keine Socken trage") bis hin zu beunruhigenden dystopischen Elementen ("Aßen Dinge, die uns nicht guttaten, gaben Geld aus, obwohl wir zu wenig hatten, vernachlässigten den Planeten, den wir bewohnen und machten alles kaputt kaputt kaputt."), war alles dabei. Ich bin gespannt, wie sehr die Novelle mir geholfen hat, Warner in Band 2 zu sehen.