Eine leise, poetische Geschichte über die Themen Freundschaft und Familie mit wunderbaren Bildern.
Zum Inhalt:Die neunjährige Linn fährt mit ihren Eltern in den langersehnten Sommerurlaub an die holländische Nordseeküste. Doch statt Vorfreude und Harmonie herrscht schon auf der Fahrt Streit und eisige Stimmung zwischen ihren Eltern. Noch dazu scheint Linns langjährige Urlaubsfreundin Smilla auf einmal eine neue beste Freundin zu haben. Dunkle Wolken ziehen über Linns Stimmung, doch dunkle Wolken können ihr vielleicht auch helfen¿Meine Meinung:Wie schon fast überall heißt es heutzutage auch bei Kinder- und Jugendbüchern häufig: immer spannender, immer mehr Action, immer mehr Aufregung. Zwar gefallen mir viele dieser Bücher durchaus sehr gut, aber es ist auch wirklich schön, zwischendurch mal wieder ein gutes Kinderbuch zu lesen, dass ohne viel Action und ¿TamTam¿ auskommt. Genau so ein Buch ist ¿Dunkelgrün wie das Meer¿ von Autorin Ute Wegmann (u.a. ¿Sandalenwetter¿, ¿Hoover¿, ¿Die besten Freunde der Welt: Fritz und Ben¿).Es ist eine eher stille Geschichte, die Ute Wegmann auf 76 Seiten (aufgeteilt in14 Kapiteln) erzählt. Die neunjährige Linn ist ein ruhiges Mädchen, das in ihrer passend kindlichen Art mit vielen Themen der Erwachsenenwelt und auch der Jugendlichen (zum Glück) noch nicht viel anfangen kann. So wird der so sehr herbeigesehnte Sommerurlaub an der Nordsee von ihren Sorgen um den Streit zwischen ihren Eltern überschattet und Linn wünscht sich nichts sehnlicher, als dass sich ihre Eltern endlich wieder lieb haben. Doch auch zu ihrer besten Urlaubsfreundin, der älteren Smilla, kann Linn nicht gehen, da Smilla eine neue Freundin dabei hat und Linn am Strand links liegen lässt. So bleibt die ruhige Linn mit ihren Sorgen und Ängsten allein. Diese Stimmung hat Ure Wegmann wunderbar eingefangen und in ¿ teils sehr poetische ¿ Worte gefasst (S. 62: ¿Leere in meinem Herzen. Leere in meinem Bauch. Leere in meinen Beinen. Leere in meinem Kopf. Keine Gedanken.¿). Hierdurch leidet man beim Lesen durchaus schon ein Bisschen mit Linn mit und möchte ihr gerne Trost spenden und Mut zusprechen.Doch durch die träumerische Art von Linn und schließlich auch die ungezügelten Gewalten der Natur klärt sich die Situation letztendlich wieder zum Guten, so viel sei an dieser Stelle schon verraten. Der Verlauf dieser Geschichte zeigt den jüngeren Lesern auf, dass auch Erwachsene ihre ganz eigenen, ernsthaften Sorgen haben und dass trotzdem nicht alle Situationen immer so schlimm und ausweglos sind, wie sie zunächst erscheinen mögen. Denn in keiner Familie herrscht immer nur eitel Sonnenschein. Ein reinigendes Gewitter ist manchmal dringend notwendig, auch ¿ oder vielleicht gerade ¿ für die Erwachsenen, um die Sicht auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu gerade zu rücken.Last but not least möchte ich gerne noch die wirklich wunderbaren und zahlreichen Illustrationen von Birgit Schössow (u.a.: ¿Freche Mädchen¿-Reihe, ¿Schischyphusch: oder Der Kellner meines Onkels¿) erwähnen. Es ist ihr ganz wunderbar gelungen, die Stimmung der Geschichte in ihren Bildern einzufangen. Sie werden dominiert von zumeist warmen, hellen und freundlichen Farben (Orange-Grün-Töne) und vermitteln doch teils die streckenweise melancholische Grundstimmung der Geschichte. Ein kleines Bisschen erinnern mich manche der Bilder an die großartigen Werke von Loustal oder Loisel. Eine wirklich sehr gelungene Symbiose aus Geschichte und Bildern!FAZIT:Eine leise, poetische Geschichte über die Themen Freundschaft und Familie mit wunderbaren Bildern.