Täterjagd zwischen Gerberau und Rieselfeld
Regiokrimis waren eine Zeitlang mal eins meiner bevorzugten Lesefutter. Und obwohl diese Phase vorbei ist, gibt es einzelne Genrevertreter, die es doch noch schaffen, mein Interesse zu wecken. Bei Ute Wehrles "Bächle, Gässle, Rache" war das der Fall. Worum geht's?Wilde Tiere und eine Aktivistengruppe halten Freiburg in Atem: Nicht nur, dass sich ein Panther blicken lässt, nein auch vermeintlich vom Mundenhof geflohene Affen und entführte Hunde werden Teil von Ermittlungen - ebenso wie angesägte Hochsitze sowie Tote im Mooswald und am Seepark. "Ermittelt" wird aus zwei Richtungen: von der Polizei in Person von Jürgen Weber und aus journalistischer Sicht in Person von Katharina Müller. Die beiden stehen vor der Frage, ob die Fälle zusammenhängen und wenn wie.Schon bei der groben Handlungsskizze wird klar, dass man in diesem Krimi einmal kreuz und quer durch Freiburg gejagt wird, was vor allem Freiburgern bzw. Freiburg-Fans (und aus Sicht der Freiburger gibt es ohnehin nur zwei Arten Menschen: solche, die dort leben, und solche, die es gern täten) auf Begeisterung stoßen dürfte. Der Plot an sich ist einigermaßen plausibel, aktuell und wird nachvollziehbar erzählt, und zwar in für Regiokrimis typischer Spannungsart: ja, es gibt einige Leichen, ja es ist spannend, aber eben nicht die "fingernagelknabbernde, bluttriefende" Spannung, sondern eher mit einer Portion Humor durchmengt, dafür mit umso mehr Lokalkolorit und wegen des Themas der Exotenhaltung im Haushalt auch mit einer Prise Gesellschaftskritik. Der Schreibstil ist leicht und flüssig lesbar, dabei jedoch nicht zu simpel. Dass dies bereits der siebte Band einer Reihe ist, deren erste sechs Bände ich nicht kenne, störte nicht, da der Fall in sich geschlossen ist - ja, manche Hintergründe mögen fehlen, das hält aber allenfalls dazu an, Lektüre nachzuholen. Denn nachdem ich jahrelang in Freiburg gelebt habe, fühlte sich "Bächle, Gässle, Rache" ein Stückweit wie "nach Hause kommen" und somit gute Unterhaltung an.