Naja
Silbernes Feuer rückt Nesta Archeron in den Mittelpunkt, die kratzbürstigere der drei Schwestern. Nach den Ereignissen der vorherigen Bände muss sie lernen, mit ihren inneren Dämonen, ihrer Vergangenheit und ihren neu gewonnenen Kräften umzugehen. Dabei spielen nicht nur magische Artefakte und politische Spannungen eine Rolle, sondern vor allem Beziehungen: zu ihren Schwestern, zu neuen Freundinnen und zu Cassian.Ich fand es schön, endlich mehr über Nesta zu erfahren und ihre Entwicklung näher zu begleiten. Besonders gefallen hat mir der Fokus auf starke weibliche Charaktere, Freundschaft und den Zusammenhalt unter Frauen. Der Bezug zu den Walküren ist gelungen; Nesta erlernt mit Hilfe von Kontemplationsübungen, die Stimmen in ihrem Kopf auszuschalten und endlich selbst die Hauptrolle in ihrem Leben zu übernehmen. Auch die Dynamik zwischen den Schwestern bekommt hier mehr Raum, was einige sehr berührende Momente geschaffen hat. Ein weiteres Highlight war für mich das Haus der Winde, das plötzlich ein Eigenleben entwickelt und mit Nesta zu kommunizieren beginnt.Trotzdem konnte mich das Buch insgesamt nicht überzeugen. Für mich war kein klarer roter Faden erkennbar, und viele Passagen wirkten langatmig. Obwohl es mit den magischen Gegenständen eigentlich einen übergeordneten Plot gibt, baute sich für mich kaum Spannung auf - das Pacing fühlte sich einfach nicht stimmig an.Auch die Liebesgeschichte zwischen Nesta und Cassian konnte mich nicht abholen. Für mich wirkte ihre Beziehung weniger romantisch als rein körperlich: Es wurde viel von Liebe gesprochen, aber hauptsächlich Lust gezeigt. Ich mag den Spice der Serie, aber hier wirkten die Szenen oft fehl am Platz. Tiefgehende Gespräche oder echte emotionale Nähe fehlten mir, ebenso wie glaubwürdige und nachhaltige Unterstützung für Nesta im Umgang mit ihrer Depression - zumindest über weite Strecken des Buches. Sie wurde von Cassian meist mit ihren Emotionen allein gelassen, was für mich keine gesunde Beziehung verdeutlicht.Ebenso unglaubwürdig war es, dass die Frauen nach wenigen Monaten Training bereits genauso stark waren wie illyrianische Krieger nach jahrhundertelangem Training. Ich weiß, was die Autorin damit verdeutlichen wollte, aber es war für mich etwas zu dick aufgetragen und damit ging die Bedeutung völlig verloren. In den vorherigen Bänden mochte ich Nesta als Figur, hier habe ich den Bezug zu ihr verloren.Silbernes Feuer kann man lesen, muss man aber nicht. Wer sich besonders für Nestas inneren Heilungsprozess interessiert, wird hier vermutlich mehr finden als ich. Für mich persönlich war der Band jedoch kein Highlight, und ich würde ihn kein zweites Mal lesen.