Taschentücher müssen in der Nähe sein, weil das Buch sehr emotional und von Leid geprägt ist. Trotzdem ist es ein Lesehighlight dieses Jahr!
Ich habe lange nicht mehr bei einer Geschichte so sehr geweint und mitgefühlt wie bei dieser.Die Geschichte rund um Margret und Hardy ist einfach nur herzzerreißend und unglaublich traurig, weil man im Hinterkopf behält, dass viele Punkte über die Nachkriegszeit in Deutschland der Wahrheit entsprechen. Beispiele sind die Missstände im Franz Sales Haus oder die Unterbringung und Erziehungsmethoden in christlichen Kinderheimen zur damaligen Zeit. Die Waisenkinder haben so viel Leid von den Erwachsenen erfahren müssen, obwohl sie Schutzbefohlene sind und Liebe, Fürsorge und Sicherheit gebraucht hätten statt Zucht und Ordnung. Es ist unglaublich, wie Susanne Abel die sensiblen Themen wie psychische und physische Gewalt vor allem an Kindern, sexuellen Missbrauch, Traumata oder auch die Spätfolgen der Misshandlungen im Erwachsenenalter, aufzeigt. Das Buch ist keine leichte Kost und ich musste mehrmals das Hörbuch pausieren, weil mich die Beschreibungen der Szenen emotional sehr gefordert haben.Die Geschichte ist zu keinem Zeitpunkt langatmig oder langweilig, weil wir zwischen der Vergangenheit und der aktuellen Zeit springen. So lernt man Hardy und Margret als Kinder und als Erwachsene kennen. Der Leser erfährt, wie die beiden immer aufeinander aufpassen, eine Familie gründen und ein gemeinsames Leben aufbauen. Auch wenn Margret sehr streng ist, mag ich sie als Charakter trotzdem sehr gerne. Sie ist nicht ohne Grund zu der Frau geworden, die sie nun heute ist. Sie möchte nur das Beste für ihre Familie, auch wenn sie das anders zeigt. Und auch Hardy, der manchmal zu ruhig und in sich gekehrt ist, liebe ich. Dass Emily, die Urenkelin der beiden, noch eine große Rolle spielt und die Schlüsselfigur ist, gefällt mir auch, weil man dadurch noch ihre Entwicklung von Kind zur Jugendlichen mitverfolgen kann. Ich bin sehr froh gewesen, dass Hardy am Ende noch seinen sehnlichsten Wunsch erfüllen konnte mit Hilfe seiner Urenkelin <3 Auch bei dieser Szene habe ich viele Tränen vergossen¿Das Buch ist sehr zu empfehlen, vor allem, wenn man sich mit der deutschen Nachkriegszeit und den Missständen in den katholischen und evangelischen Kinderheimen beschäftigen möchte. Die Charaktere wachsen einem sehr ans Herz und man wünscht ihnen nur Frieden. Es ist unbedingt ratsam, auch das Nachwort der Autorin zu lesen/hören, weil sie noch wichtige Punkte anspricht!