Erst dachte ich nach Lesen des Klappentextes, dass mir die Geschichte zu toxisch ist; aber irgendwie ist sie mir nicht aus dem Kopf gegangen und meine Neugierde war dann doch größer. Zum Glück, denn ich habe eine sehr berührende und melancholische Geschichte bekommen, die etwas in mir zum Klingen gebracht hat.Die junge Cellistin Marie und der Arzt Simon haben sich ineinander verliebt - doch Simon ist verheiratet und bekennt von Anfang an, dass er sich nicht trennen wird. Die beiden haben eine intensive Zeit - die sich zwar auch im realen Leben abspielt, vor allem aber über intensive Messenger-Nachrichten und gegenseitiges Liken von Beiträgen in sozialen Medien. Als Simon das Ganze beendet, fällt Marie in ein tiefes Loch - und immer, wenn sie sich gerade wieder hochgekrabbelt hat, taucht Simon online wieder auf.Erzählt wird die Geschichte aus Sicht Maries in Ich-Form - und ich habe mich so sehr gut in sie hineinversetzen können. Von Anfang an ist klar, dass diese Verbindung zum Scheitern verurteilt ist, und so ist auch die Stimmung von Anfang an melancholisch - und trotzdem gab es auch wirklich liebevolle Szenen mit kleinen, oft fast schon unscheinbaren Aufmerksamkeiten, die sehr deutlich Maries Sehnsüchte und Bedürfnisse zeigten. Es ist ein ruhiger Roman, in dem es viele Innenansichten gibt - und Marie kann sich ihrem eigenen Gedankenkarussell kaum entziehen. Zunächst ist sie gefangen in einer Art Glückstaumel, dann nach dem Bruch kreist sie um Selbstzweifel und kämpft fortan damit, sich ihrer Sehnsucht nicht hinzugeben. Dabei spielen die sozialen Medien eine große Rolle - denn über ein Like zum Beispiel eines Fotos fühlt Maire sich Simon sofort wieder nahe, ohne dass es zu einem weiteren Austausch kommt. Das lässt natürlich auch nachdenken über das eigene Verhalten in sozialen Medien und über die eigenen Reaktionen.Marie ist eine sehr sensible junge Frau, die es sich oft selber schwer macht und es nicht schafft, das Leben zu genießen. Obwohl sie eigentlich weiß, dass es mit Simon keine Zukunft gibt, lässt sie sich auf eine Affäre ein - und obwohl sie weiß, dass es sie verletzt, von seiner Familie zu erfahren, treibt sie den Schmerz immer noch an, in dem sie ihn genau dazu befragt. Simon kommt in der Geschichte jetzt nicht als der "Böse" daher, der sich eine Geliebte sucht, auch er hat Bedürfnisse, die nicht gedeckt sind und dennoch aber ist ihm seine Familie heilig. Ich hatte dennoch das Gefühl, obwohl Simon wirklich nicht unsympathisch ist und er auch nicht wie ein Macho wirkt, eher wie ein liebevoller und aufmerksamer Mann, dass er Marie für seine Zwecke einsetzt. Ich habe daher sehr mit Marie und ihrem Schmerz gefühlt, habe sie in ihren Gedanken so gut verstehen können, dass das Hörbuch bei mir wirklich tief ins Herz getroffen hat.Das Ende der Geschichte ist überraschend - und auch das wirft noch mal ein neues Licht auf Simon; insbesondere bleibt bei mir die Frage nach seiner Motivation.Die Sprecherin Rosa Thormeyer hat eine eher rauchige Stimme, die die eigentlich die ganze Zeit herrschende Melancholie sehr gut eingefangen hat und die die in vielen Situationen herrschende Trostlosigkeit noch mal mehr betont hat.Ich habe das Hörbuch sehr gerne gehört und mich Marie dabei sehr nahe gefühlt - auf jeden Fall für mich eine Empfehlung!