In Erica Neubauers Kriminalroman "Die Tote im Mena House" ist ein spannender Auftakt einer Trilogie, die an verschiedenen Orten spielt. Das Mena House ist ein Hotel, das von Jane, der Hauptprotagonistin in Ägypten besucht wird. Dieses Hotel lebt vor allem vom Hedonismus seiner Gäste. Sie lieben den ausgelassenen, lebensbejahenden Feier- und Lebensstil, um die Gedanken und Erinnerungen an den Weltkrieg zu vertreiben. Dieses Gefühl ist für die Leser sehr nachvollziehbar und verständlich, sodass eine lebensweltnahe Darstellung der Autorin hier sehr gut gelingt. Als Leser taucht man direkt ein in die oszillierende Gesellschaft und die farbenprächtige Ausgestaltung des Settings.
Eingebettet ist der prachtvolle Ort, das Mena House Hotel, in einen soften Kriminalfall. Jane steht ihrer Rivalin Anna gegenüber, welche ermordet wird. So entspinnt sich schnell eine Jagd aus Verdächtigungen und Schein. Obwohl das Hotel zunächst als toller Locus präsentiert wird, wandelt er sich im Laufe der Handlung in etwas Zwielichtiges voller Unwahrheiten und Mysterien.
Der Schreibstil der Autorin ist sehr gut gelungen. Durch die bildliche Ausgestaltung des Plots wird es dem Leser sehr gut ermöglicht, in die Handlung einzutauchen und sich sofort einzufühlen. Die Personen, vor allem natürlich die Hauptprotagonistin, sind tiefe und runde Charaktere, deren Innensicht verstanden werden kann. Dies trägt dazu bei, dass der Lesefluss nicht gestört wird, sondern sich eine Dynamik aufbaut. Obwohl es sich bei "Die Tote im Mena House" um einen Softkrimi handelt, entwickelt es sich sehr schnell zu einem Pageturner und fesselt an vielen Stellen den Leser. An manchen Stellen wird die Rivalität unter den Frauen leider sehr deutlich, was gegen eine stark-feministische Ausprägung der Handlung spricht, da die Tendenz zum Queen-Bee-Effekt deutlich wird. Nichtsdestotrotz ist der Krimi eine tolle Reiselektüre!