Durch den Skandal rund um den Film habe ich den Abschluss erst jetzt gelesen. Das besondere Gefühl war sofort wieder da.
"Nur noch ein einziges Mal": Wer hätte gedacht, dass dieses für mich persönliche Lesehighlight einmal so viel verbrannte Erde hinterlassen würde. Ich habe mich so gefreut, als der Bestseller von Colleen Hoover die Filmadaption angekündigt bekommen hat, aber dann hat alles zu einer Gerichtsverhandlung geführt, die 2026 über die Bühne gehen soll und ironischerweise sehr ähnliche Themen betrifft, wie das Buch selbst.Das hat mir das alles schon ziemlich verhagelt, dabei hatte ich "Nur noch einmal und für immer" zu dem Zeitpunkt noch nicht gelesen. Dabei habe ich alles von Hoover gelesen. Und da die Autorin am wenigsten für das alles kann, habe ich nun doch noch per Hörbuch zugegriffen. Marlene Rauch und Kai Schulz sind für mich stimmlich zu Lily und Atlas geworden. Ich muss zwar zugeben, dass es etwas schwierig war, weil die ganzen Charaktere für mich inzwischen mit Schauspieler und Schauspielerinnen verbunden sind, die ich ständig vor Augen hatte. Aber es waren ja ein paar Stunden mit den Stimmen gemeinsam, sodass ich mich gut an beide gewöhnen konnte. Bei Lily fand ich vor allem wichtig, dass Rauch eine sehr verletzlich klingende Stimme hat und dass trotzdem die innere Stärke stets durchgekommen ist.Inhaltlich fand ich es sehr wichtig, dass es gelungen ist, die Geschichte von Lily und Atlas weiterzuerzählen und gleichzeitig die Vergangenheit wieder zu ehren. Es war die richtige Entscheidung von Hoover, nicht schon im ersten Band ein gekünsteltes Happy End zu erzeugen, obwohl es so viel aufzuarbeiten gab. Die Autorin hat persönlich Erfahrungen mit dem Thema gesammelt und es war ihr sichtbar wichtig, das alles angemessen zu behandeln und das zeigt sich auch hier. Wir haben die Tagebücher von Lily als wichtiges Element, weil Atlas so in die Vergangenheit durch ihre Augen eintauchen kann und trotzdem erhalten wir noch neue Infos, weil er seine eigenen Erlebnisse und seine eigenen Einstellungen noch ergänzt.Für die Gegenwart fand ich es gut, dass wir nicht nur Atlas haben, der darauf wartet, dass Lily für ihn emotional bereit ist. Nein, wir haben auch eine eigene Geschichte für ihn. Er war in Band 1 so wichtig und gleichzeitig auch zurückgestellt und jetzt ist er ein richtiger Leading Man und das war echt toll. Da wir ohnehin in seine Vergangenheit eintauchen, hat es sich wunderbar angeboten, das auch für die Gegenwart zu nutzen. Denn die Geschichten von Atlas und Lily waren sich immer sehr ähnlich und weil beide aktiv etwas zu bewältigen haben, können sie es zusammen tun und das wurde schön dargelegt. Bei Atlas gab es sehr viel mehr noch zu entdecken und es war schon sehr wichtig, ihn so aktiv in verschiedenen Rollen zu erleben. Hoover schreibt immer tolle Männercharaktere und das ist hier nicht anders.Auch Ryle ist einer dieser Figuren, aber es war auch hier richtig, dass wir ihn im zweiten Band nicht mal eben ¿heilen'. Stattdessen hat Lily weiterhin mit ihm zu kämpfen, auch vielen Ebenen. Für mich wurde ihr inneres Gefühlschaos weiter nahbar dargestellt und ich habe alles nachvollziehen können. Gleichzeitig fand ich auch Ryles Darstellung weiterhin sehr konsequent. Man kann ihn nicht mögen, aber er ist gut gemacht. Vielleicht ist es etwas unwahrscheinlich, dass Lily so konsequent von allen Unterstützung erfährt, aber fürs Herz war das auf jeden Fall toll, weil alles so vernünftig und umsichtig erscheint. Ich habe die ganzen Phasen auf jeden Fall wieder sehr gerne begleitet. Es gibt wieder vieles, was man für sich verarbeiten muss, aber so muss gutes Lesen auch sein.Fazit: Es lagen nun einige Jahre dazwischen, aber "Nur noch einmal und für immer" ist ein würdiger Nachfolger, der mit viel Sensibilität und Konsequenz Lily und Atlas einen Abschluss liefert. Die Themen bleiben relevant, und es ist in all dem viel Herz, was ein gutes Gefühl gibt. Schade, dass durch äußere Umstände ein solcher Schatten über allem schwebt.