Inhaltsangabe:Alice Kelly ist acht Jahre alt, als sie zum ersten Mal Farben sieht: Ihre Mutter ist blau! Psychisch krank und vom Vater der drei Kinder verlassen leidet sie an der Bipolar-2-Störung und erscheint abwechselnd in blau und rot. Alice großer Bruder Hugh unterstützt sie in allen Lebenslagen, der kleine Bruder Olli ist eher Mama-bezogen und driftet in die Jugendkriminalität ab.Alice braucht lange, um sich mit ihrer Synästhesie zu arrangieren. Sie wird auf ein Internat für Kinder mit besonderen Bedürfnissen geschickt und freundet sich mit Gospel an, der an dem Tourette-Syndrom leidet. Als sie später ihrer Mutter pflegt, bemerkt sie, dass auch die Natur um sie herum in Farben erstrahlt.Erst, als sie als Erwachsene von Dublin nach London zieht, setzt sie sich mit "ihrer Gabe" auseinander und kann dank einer versierten und freundlichen Nachbarin lernen, diese für sich und ihre Umwelt zu nutzen. Bis sie eines Tages in der U-Bahn auf einen Mann trifft, der sonderbar für sie ist. Er hat nämlich keine Farbe!Mein Fazit:Eine sehr berührende Geschichte mit kleinen Schwächen.Sicherlich habe ich irgendwann mal was dazu gelesen, aber dieses Thema ist mir ansonsten kaum bekannt gewesen. Dank Cecelia Ahern weiß ich nun, was es bedeutet, die Welt um sich herum in Farben zu sehen. Ungeborene oder Neugeborene leuchten Gold, Liebe bedeutet Pink und Schwarz ist eindeutig Gefahr. Alice kann Emotionen und Stimmung erkennen und muss lernen, damit umzugehen. Denn sie kann nicht alles aufnehmen, nicht alles verarbeiten. Dennoch dauert es über 20 Jahre, ehe sie es gelernt hat und hat auf dem Weg dahin einige Rückschläge einstecken müssen.Ich mag die Geschichten von Cecelia Ahern, denn gerade solche zeichnen sich durch die Erzählkunst aus. Es ist ja nicht nur das Thema, sondern die tiefgründige Zeichnung der Figuren: die Mutter, der große Bruder Hugh oder die Nachbarin! Allerdings war ich manchmal erstaunt, dass ich mich plötzlich ganz woanders befand. Alice hat zwischendurch Anekdoten erzählt, um die eine oder andere Begebenheit zu erklären. Diese Sprünge kamen ohne Vorwarnung und manchmal brauchte ich einen Moment, um mich zu sortieren.Das Hörbuch war leider gekürzt, was ich zuerst so nicht wahrgenommen hatte. Die Stimme von Tessa Mittelstaedt allerdings hat mich voll mitgenommen. Die Vertonung der Dialoge ist ihr sehr gut gelungen - ja, ich konnte mir ein gutes Bild machen und fühlte mich gelegentlich wie eine Voyeurin.Zwei klitzekleine Kritik-Punkte möchte ich noch anbringen. Die Geschichte umfasst mehrere Jahrzehnte, da ist es unwahrscheinlich, dass ihr kleiner Bruder damals schon ein Handy hatte. Und der Mann ihres Herzens kam recht spät in die Geschichte rein. Ich hatte ihn etwas früher erwartet.Dennoch gebe ich der Geschichte fünf Sterne, denn die Thematik ist so außergewöhnlich und wunderbar umgesetzt.