In "Kraft", einem Song von Die Ärzte, heißt es: "Worte können wehtun, sie sind schnell und schonungslos, treiben dich in die Enge, führen dich vor und stellen dich bloß." Wie man etwas sagt, beeinflusst die Wirkung. Wie schnell haben verletzende Worte die Lippen verlassen. Noch bevor der Gedanke hinterherkommt, dass das eben Gesagte vielleicht nicht optimal war. Diesem Thema widmen sich Sabrina Sandfuchs und Birthe Müller-Rosenau. Ein wichtiges Thema, das alle Eltern anspricht, auch jene ohne ADHS-Kind. Die "mit" vermutlich umso mehr. So leicht haut man als Mutter oder Vater einen Satz, einen Kommentar raus, den man im Nachhinein gern wieder einfangen würde. Ungesagt, ja ungeschehen machen würde. Wenn man im Gesicht, in der Reaktion des Kindes sieht, was man angerichtet hat. Die Autorinnen propagieren gewaltfreie Kommunikation und es ist tatsächlich hilfreich, sich einmal detailliert mit der Sprache auseinanderzusetzen. Mit dem Sender einer Botschaft und dem Empfänger. Wie wirkt es, wenn ich etwas so oder anders sage. Es dauert aber eine Weile, bis die Autorinnen konkret werden. Vorab müssen persönliche Motivationen erläutert werden (was ok ist) und ADHS definiert werden (was in der Ausführlichkeit unnötig scheint, denn wer würde so ein Buch kaufen, wenn nicht Eltern, die bereits wissen, das es ADHS gibt und was das bedeutet). Es ist der Fehler vieler Ratgeber, dass sie zunächst viel heiße Luft transportieren, bevor sie zum Punkt kommen, um den es gehen sollte: Konkrete Tipps, Impulse, die der oder die Leserin aufnehmen, reflektieren, für sich umsetzen kann. Der Teil kommt in der Mitte und ist tatsächlich bereichernd, wenn auch in einem derart wohlwollenden und liebevollen Ton formuliert (und von Charlotte Puder auch so gelesen), der es mitunter schwerer als nötig macht, den Inhalt anzunehmen, weil man sich so bevormundet, belehrt fühlt. Vielleicht aber auch, weil man ein bisschen neidisch ist auf die zu jeder Zeit einfühlsam und verständnisvoll wirkenden Autorinnen ist, während man selbst das leider nicht ist. Andererseits, wäre man so, bräuchte man das Buch nicht.
Im letzten Drittel des Hörbuches kommt ein Praxisteil, der die Grenzen des Mediums Hörbuch aufzeigt. Wenn man diesen geballt vorgelesen bekommt, nützt es einem wenig. Hier wäre sicher die gedruckte Version vorzuziehen, die man am oder in der Nähe eines Tisches liest und dort mit Stiften und Papier gleich konkret ans Werk gehen kann.