Unerwartet intensiv, emotional überzeugend und thematisch stark. Eine Romance, die im Kopf bleibt.
Ich bin mit ganz anderen Erwartungen an Fake Dates and Fireworks herangegangen und genau das hat mich am Ende umso mehr überzeugt. Ohne den Klappentext zu lesen, wollte ich mich einfach von Kyra Grohs Schreibstil treiben lassen. Was ich bekommen habe, war keine klassische RomCom, sondern eine emotional vielschichtige Geschichte, die auf einer ganz anderen Ebene wirkt.HörbuchumsetzungDa ich die Geschichte als Hörbuch gehört habe, möchte ich diesen Punkt kurz ansprechen ausdrücklich als sehr subjektive Wahrnehmung.Becca ist mit 28 Jahren natürlich keine Jugendliche mehr, dennoch habe ich mir für sie eine andere Stimme vorgestellt. Die Sprecherin hat für mein Empfinden einen leicht kratzigen, sehr reifen Tonfall, den ich persönlich eher mit einer älteren Frau verbinde. Dadurch entstand für mich stellenweise eine kleine Diskrepanz zwischen Figur und Stimme, die es mir erschwert hat, komplett in Beccas Gedankenwelt einzutauchen.Gerade in emotionalen oder humorvollen Szenen, also in Momenten, in denen ich beim Lesen vermutlich stärker reagiert hätte, kam die Wirkung für mich im Hörbuch nicht immer so an, wie ich es mir gewünscht hätte.Meine persönliche Empfehlungbleibt dennoch: lieber zum Buch greifen als zum Hörbuch, da ich glaube, dass sich Ton, Emotionen und Humor beim Lesen noch stimmiger entfalten können.Einstieg & ErzählperspektiveDer Einstieg ist meiner Meinung nach sehr gelungen. Die Geschichte wird komplett aus der Ich-Perspektive von Becca erzählt und zwar ausschließlich aus ihrer Sicht. Diese Nähe zu ihren Gedanken und Gefühlen hat für mich funktioniert. Gerade bei den Themen, die das Buch behandelt, sorgt diese Perspektive dafür, dass man Beccas innere Konflikte, Zweifel und emotionalen Reaktionen miterlebt.Besonders erfrischend fand ich außerdem das Alter der Protagonist:innen: 28 bis 36 sind. Becca steht fest im Berufsleben, macht dennoch Fehler, reflektiert diese und entwickelt sich sichtbar weiter. Dieser Blickwinkel hat der Geschichte für mich viel Authentizität verliehen.SchreibstilDer Schreibstil ist sehr flüssig, angenehm zu lesen und stellenweise auch humorvoll. An einigen Passagen musste ich tatsächlich schmunzeln. Trotzdem würde ich das Buch nicht als RomCom einordnen, dafür sind die Themen zu tiefgehend und emotional. Der Humor lockert auf, steht aber nie im Vordergrund.Setting & AtmosphäreDie Handlung spielt größtenteils in einem Hotel, was mir überraschend gut gefallen hat. Restaurants, Sauna und die allgemeinen Räumlichkeiten konnte ich mir gut vorstellen. Die Atmosphäre war greifbar, auch wenn das winterliche Setting, trotz Silvester-Zeitraum für mich stellenweise etwas stärker hätte transportiert werden können. Das hat mich aber insgesamt nicht gestört.Handlung & StrukturWir begleiten Becca rund um die Tage vor Silvester und an Silvester selbst. Seit über zehn Jahren hat sie eine Tradition: Sie trifft sich zu dieser Zeit mit Nils. Auch dieses Jahr ist das geplant, doch im Hotel erfährt sie etwas, das für sie sehr einschneidend ist.Besonders gelungen fand ich die Zeitsprünge. Die Kapitel sind klar strukturiert (z.¿B. ¿X Tage vor Silvester¿, ¿5 Jahre vor dem aktuellen Silvester¿) und führen uns unter anderem zu einer 18-jährigen Becca zurück. Diese Rückblenden machen ihr heutiges Verhalten, ihre Gefühle und Entscheidungen deutlich nachvollziehbarer. Statt nur darüber zu lesen, dass etwas in der Vergangenheit passiert ist, erlebt man es aktiv mit. Trotzdem gab es Momente, in denen mir Becca etwas zu naiv erschien und ich einzelne Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen konnte. Das hängt jedoch stark mit den zentralen Themen der Geschichte zusammen.Umgang mit den zentralen Themen (Themen sind unten als Spoiler benannt )Besonders hervorheben möchte ich den Umgang mit den sensiblen Themen in dieser Geschichte. Diese werden zu keinem Zeitpunkt romantisiert oder verharmlost, sondern klar benannt und deutlich als problematisch beziehungsweise falsch eingeordnet. Genau das hat mir unglaublich gut gefallen. Das Buch zeigt sehr nachvollziehbar einen Entwicklungsprozess: vom Nicht-Verstehen über das Akzeptieren bis hin zum bewussten Lernen und Verändern. Diese Entwicklung wirkt ehrlich, realistisch und emotional stimmig. Damit habe ich ehrlich gesagt nicht gerechnet. Gerade weil diese Themen so subtil, aber gleichzeitig klar in die Geschichte eingebaut sind, hat mich das Buch letztlich zu einer Fünf-Sterne-Bewertung überzeugt.Charaktere & DynamikenDie Charakterdynamiken sind für mich eines der größten Highlights des Buches. Die Figuren wirken vielschichtig, glaubwürdig und emotional greifbar. In vielen Situationen habe ich stark mit Becca mitgefühlt. Besonders hervorheben möchte ich den Love Interest, er ist eine wandelnde Green Flag. Seine Art, sein Verhalten und einzelne Momente haben mich wirklich beeindruckt und bilden einen starken Kontrast zu den toxischen Dynamiken der Vergangenheit. Neben der romantischen Ebene spielen auch Freundschaft, Unterstützung und Ausgleich eine wichtige Rolle. Die Nebenfiguren tragen maßgeblich dazu bei, dass die emotionale Wirkung der Geschichte so stark ist.Fake Dating & Romance-AnteilWie der Titel bereits andeutet, gibt es ein Fake-Dating-Element, das eher dezent eingesetzt wird. Für mich war das vollkommen ausreichend und sehr süß umgesetzt, ohne die ernsteren Themen zu überlagern.Ende & KritikpunkteEin großer Pluspunkt: Das Ende ist nicht unrealistisch oder überhastet. Die Autorin nimmt sich Zeit für Entwicklungen, Konfliktlösungen und neue Anfänge. Beziehungen entstehen hier nicht per Knopfdruck, sondern über glaubwürdige Zeiträume hinweg, das hat sich sehr stimmig angefühlt.Mein größter Kritikpunkt liegt tatsächlich ganz am Schluss. Nach einem emotional starken, reflektierenden Ende, das für mich perfekt gepasst hätte, folgt noch ein zusätzlicher Abschnitt. Den hätte es meiner Meinung nach nicht gebraucht. Er hat meine Wahrnehmung einer Figur verändert und passte nicht ganz zu dem Bild, dass ich mir zuvor, durch Beccas Perspektive aufgebaut hatte.FazitFake Dates and Fireworks ist für mich kein perfektes Buch ¿ aber eine Fünf-Sterne-Lektüre fürs HerzNicht, weil alles makellos ist, sondern weil mich die Themen, die Emotionalität und das, was ich aus der Geschichte mitnehme, tief berührt haben. Gerade durch meine eigenen Erfahrungen mit einer toxischen Beziehung konnte ich mich in vielen Mustern wiedererkennen.Diese Geschichte überzeugt nicht durch Leichtigkeit, sondern durch Tiefe, Reflexion und ehrliche Emotionen. Und genau deshalb bleibt sie im Kopf und im Herzen. Hier benenne ich dieThemen des Buches:Wenn du dich thematisch nicht spoilern möchtest oder sensible Themen vermeiden willst, lies diesen Abschnitt bitte nicht weiter.Das Buch behandelt unter anderem: Fehler machen und reflektieren, Schuldgefühle und emotionale Erpressung, emotionale Abhängigkeit, Ausnutzung von Machtgefällen, Manipulation und mentale Gesundheit. Diese werden zu keinem Zeitpunkt romantisiert oder verharmlost, sondern klar benannt und deutlich als problematisch beziehungsweise falsch eingeordnet. Genau das hat mir unglaublich gut gefallen.