Das Cover gefällt mir leider nicht besonders, auch wenn man fairerweise sagen muss, dass es den Inhalt ziemlich genau trifft, schließlich geht es um ein Mädchen mit blauen Haaren.
Karou ist eine begabte Kunststudentin in Prag. Was niemand weiß: Sie ist bei einer Familie von Chimären aufgewachsen und pendelt über magische Portale zwischen den Welten. Doch eines Tages taucht der Seraphim Akiva mit seinen Geschwistern auf und zerstört alle Zugänge zur Zwischenwelt. Karou wird abrupt von ihrer Familie getrennt und setzt fortan all ihr Wissen und Können daran, einen Weg zurück in ihr früheres Zuhause zu finden.
Dabei begegnet sie erneut Akiva. Nach anfänglichen Kämpfen müssen beide erkennen, dass sie mehr verbindet, als sie wahrhaben wollen. Bis zu diesem Punkt ist das Buch spannend, flüssig zu lesen und absolut auch für jüngere Leser geeignet.
Dann jedoch fühlt es sich stellenweise an, als hätte ein Autor:innenwechsel stattgefunden. Die sich entwickelnde Liebe wird sehr ausführlich und wortgewaltig beschrieben, der Ton wird zunehmend philosophisch. Es geht um das Wesen der Liebe, aber auch um Krieg, Schuld und Entscheidungen. Die Handlung tritt in diesem Mittelteil etwas auf der Stelle, wirkt dabei jedoch nie wirklich langatmig.
Später nimmt die Geschichte wieder Fahrt auf, als von der Zeit vor Karous Geburt erzählt wird. Auch hier steht eine leidenschaftliche Liebe im Mittelpunkt. Karou erfährt endlich, wer sie wirklich ist, woher sie stammt und welche Rolle Akiva damals und heute in ihrem Leben spielt.
Insgesamt lässt sich das Buch gut lesen, auch wenn für mich ein spürbarer stilistischer Umbruch stattfindet und sich die Erzählweise deutlich verändert.
Die Hörbuchversion wird von Julia Nachtmann eingelesen. In Dialogen ist sie großartig und transportiert Emotionen bis in feinste Nuancen. Leider machen Dialoge nur einen kleinen Teil aus, und auf Dauer empfand ich ihre Lesung im erzählenden Teil als etwas zu monoton.
Auf alle Fälle ist es ein interessantes Buch, in dessen Gedankengänge man sich gerne vertieft.