Theo ist frisch verliebt und schon verlobt: sie ist sich sicher, dass Connor der Richtige ist. Zweifel kommen allerdings auf, als sie seiner Familie vorgestellt wird: die stinkreichen Angehörigen sind ihr gar nicht geheuer. Als sie schließlich Warnungen erhält, sie solle sich von Connor fern halten, ist die Verunsicherung perfekt. Auch das seltsame Verhalten der meisten Familienangehörigen Connors mit Anspielungen auf Theos Vergangenheit lassen sie schaudern, dazu kommt das unheimliche, abgelegene Bergdomizil, das sie zusätzliche Bedrohung fühlen lässt. Schnell stellt sich hieraus, dass ihr Bauchgefühl auf der richtigen Fährte ist...
Grundsätzlich ist der Spannungsaufbau der Geschichte gut. Von Anfang an spürt man eine Unwohlsein und das Gefühl, das irgend etwas nicht stimmt mit diesem Winterdomizil und Connors Familie. Lange war ich mir auch nicht sicher, ob nicht Connor selbst ein falsches Spiel spielt, was noch dadurch verstärkt wird, dass Theo gewisse Geheimnisse entdeckt. Ein großes Rätselraten beginnt auch damit, als Theo die Fernhalte-Warnungen bekommt. Es gibt viele Verstrickungen, die anfänglich noch gar nicht erahnt werden können, weder von Theo selbst, noch von den Leser*innen, was zusätzliche Spannungsmomente schafft.
Nun das Aber: die Figurenzeichnung empfinde ich als sehr oberflächlich. So richtig konnte mir nicht vermittelt werden, was Theo so toll an Connor findet und was die beiden tatsächlich verbindet. Die Familienangehörigen und sonstigen Figuren empfinde ich als ziemlich (US-amerikanisch) klischeehaft und platt. Das Thema der extrareichen Familie, die keine zukünftige Ehefrau Connors dulden mag, die aus der unteren "Schicht" stammt, weil sie ohnehin nur auf das Geld aus ist, zieht sich von Anfang bis Ende durch und wirkt für mich nicht sonderlich glaubwürdig und ehrlich gesagt auch ziemlich unkreativ. Obwohl Theo schon einiges durchgemacht hat in ihrem Leben, ist sie erstaunlich naiv. Das hat mich teilweise so geärgert, dass es mich komplett aus der Spannung herauskatapultiert hat. Ebenso die einseitige Darstellung der Charaktere - es scheint nur Gut und Böse zu geben, Zwischenschattierungen sind rar gesät. Leider wird auch nur aus der Sicht der Protagonistin erzählt, ein Perspektivenwechsel zwischendurch hätte der Geschichte bestimmt mehr Tiefe und zusätzliche Spannung gegeben.
Zur Hörbuchumsetzung: ich mag die Stimme der Sprecherin wirklich sehr gerne, sie ist tief und rau, was besonders gut passt um die unheimliche Stimmung im Winterdomizil wiederzugeben und die Spannung aufrecht zu erhalten. Wozu sie aber m.E. nicht passt, ist Theo: die Protagonistin ist 24 Jahre alt, die Stimme klingt aber viel älter, das war für mich leider nicht stimmig und hat mich bis zum Schluss irritiert. Was ich aber wirklich nicht gut und teilweise unerträglich fand, war die Aussprache der US-amerikanischen Namen: während einige Namen, wie Theo oder Connor noch absolut erträglich ausgesprochen wurden, tat es bei Alexis (Aläksis) und Paloma (Palouma) schon dezent weh, bei dem zahlreich vorkommenden Sebastian (Sebesstschn) trieb es mir aber ziemliche Aversionen auf, was dazu führte, dass ich die Geschichte regelmäßig unterbrechen musste und ich teilweise schon gar nicht mehr weiterhören wollte. Auf so etwas reagiere ich aber extrem, das geht anderen bestimmt anders, ich weiß ob meiner Monkischheit. Ich habe mich trotzdem gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, die Namen mit dieser Sprecherin deutsch auszusprechen (wovon ich eigentlich auch kein Fan bin).
Mein Fazit: wer einen spannenden Thriller sucht, dem es nicht stört, dass die Figuren klischeehaft us-amerikanisch und ohne Tiefgang sind, wird hier sicher gut unterhalten. Beim Hörbuch ist die Stimme toll, auch wenn sie nach meinem Dafürhalten nicht zur jungen Hauptfigur passt und die Aussprache der US-amerikanischen Namen einem klaren Denglisch zugeordnet werden kann.