Ein (Hör-)Buch, das einschlägt wie ein Komet und einen Krater im Inneren hinterlässt, der wirken wird mit einer Sprecherin, die beeindruckt.
Es begann, wie es endete und es endete, wie es begann.Dieses Werk hallt nach.Die Protagonistin, der Vera Teltz ihre Stimme verleiht, und mich verbinden auch im Nachhall Fragen, Gedanken und Ungewissheiten, deren Beantwortung ich wahrscheinlich nie Herrin werde. Einer meiner ersten Gedankenstränge war das Schaffen von etwas in einer Welt, die kein Schaffen zulässt. Das Erangen von Macht in einem Raum der Machtlosigkeit. Das Suchen von Auswegen in einem Labyrinth ohne Türen. Die Erschaffung der Unvorhersehbarkeit in einer Sphäre der Eintönigkeit.Der Vergleich zu Margret Atwoods "Der Report der Magd" kam auch bei mir auf und doch unterscheidet sich das Werk von Jacqueline Harpman am Ende von diesem und stellt ganz für sich eine besondere Erfahrung dar. Die Sprecherinnenleistung von Vera Teltz ließ mich die Inhalte noch intensiver fühlen. Durch ihre Stimme ließ Teltz die Protagonistin vor meinen Augen lebendig werden, als würde sie selbst die Geschichte erzählen. Das zu Erzählende harmoniert mit der Stimmfarbe von Teltz in einem besonderen Maß. Die Sprecherin findet den richtigen Ton mit einer Intonation, die bewegt und Emotionen transportiert. Dem Sprechtempo konnte ich gut folgen, auch wenn die Inhalte mich immer wieder inne halten ließen. Die Sprache von Jacqueline Harpman ist zugänglich, dabei gewaltig in ihrer Aussagekraft. Ich brauchte Pausen, um das Gehörte zu verarbeiten und Wiederholungen, um es anteilig in Gänze zu erfassen. Auf diesem Pfad bewege ich mich weiterhin.Das beklemmende und bedrückende, dystopische Setting der Unsicherheit und Hoffnungslosigkeit wurde für mich durch die Sprecherin fühlbar. Für mich ist das Hörbuch als besonders wertvoll anzusehen. Denn Teltz schafft es in dieser Trostlosigkeit, die Momente des Hoffens, der Gemeinschaft und des Glücks so zu lesen, dass ich das Lächeln auf ihren Lippen in meinen Ohren hören kann. Ich bin mir sicher, dass das Gehörte noch länger nachhallen wird und ich die Gedanken der Protagonistin in meinem Kopf mitnehmen werde. Mich beschleicht das Gefühl, dieses Werk noch nicht durchdrungen zu haben. Dieses (Hör-)buch erfordert Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich auf die Inhalte einzulassen. Ich glaube, dass es eine besondere Wirkung mit sich bringen kann, wenn man den Inhalten offen begegnet und bereit ist, die existentiellen Fragen in seinem Kopf wirken zu lassen. Ein I-Tüpfelchen wäre für mich das gemeinsame Hören gewesen, um den Inhalten einen Raum des Austauschs und der Diskussion zu bieten. Ich bedanke mich von Herzen bei Sage Egmont und NetGalleyDe für die Bereitstellung des Hörbuchs, dass ich in kurzer Zeit in mich eingesogen habe.