Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so genau, wo ich anfangen soll weil ich dieses Buch unbedingt lieben wollte. Der Klappentext, die Stimmung, dieser ganze Dark-Romantasy-Vibe das klang einfach so sehr nach meinem Ding. Und trotzdem hat es mich am Ende nicht komplett gecatcht.
Der Einstieg? Wirklich stark. Ich war direkt drin in dieser düsteren, fast schon beklemmenden Atmosphäre. Dieses Gefühl von Gefahr, von etwas Verbotenem, das sich langsam aufbaut ich LIEBE sowas eigentlich. Und auch dieses Religiöse gemischt mit etwas Dunklem, Okkultem hatte richtig viel Potenzial und hat mich total neugierig gemacht.
Lucien Graves ist dabei definitiv schwierig zu beschreiben. Einerseits total faszinierend, weil er diese ruhige, kontrollierte, fast schon einschüchternde Präsenz hat. Andererseits war mir das irgendwann einfach zu viel. Zu kontrollierend, zu kalt, zu wenig greifbar. Ich hab die Anziehung verstanden aber ich hab sie nicht wirklich gefühlt.
Und genau da liegt, glaube ich, mein größtes Problem: Ich habe die Dynamik zwischen ihm und Aubrey verstanden aber sie hat mich emotional nicht erreicht.
Aubrey selbst mochte ich am Anfang echt gern. Sie wirkte verletzlich, aber nicht schwach, eher so unterschwellig kämpferisch. Aber je weiter die Geschichte ging, desto mehr habe ich irgendwie den Zugang zu ihr verloren. Manche Entscheidungen haben sich für mich nicht ganz rund angefühlt, und ich hätte mir gewünscht, noch tiefer in ihre Gedanken eintauchen zu können.
Was ich aber wirklich hervorheben muss: die Atmosphäre. Die war stellenweise SO gut. Düster, bedrückend, fast schon hypnotisch. Man merkt einfach, dass hier mehr im Hintergrund lauert, dass die Geschichte größer ist als nur diese Beziehung.
Aber genau hier kommt auch mein größter Kritikpunkt: Für mich hätte der **Romantasy-Aspekt deutlich stärker ausgearbeitet sein dürfen**. Es wird immer wieder angedeutet, dass mehr hinter allem steckt etwas Übernatürliches, etwas Dunkles , aber für mich blieb das zu vage. Ich hätte mir mehr Worldbuilding, mehr greifbare Fantasy-Elemente und generell mehr Tiefe in dieser Richtung gewünscht. So hat es sich für mich stellenweise eher wie eine Dark Romance mit leichtem Fantasy-Anstrich angefühlt, statt wie eine voll ausgearbeitete Dark Romantasy.
Das Hörbuch:
Hier muss ich wirklich sagen das hat für mich einiges rausgeholt. Gesprochen wird das Ganze von Ivana Konovic und Kevo Adler, und die beiden haben mir richtig gut gefallen.
Die Stimmen passen super zu den Figuren und transportieren diese düstere, intensive Stimmung unglaublich gut. Gerade die ruhigeren, angespannten Szenen hatten durch die Vertonung nochmal eine ganz andere Wirkung. Dieses unterschwellige Bedrohliche, dieses Kontrollierte das kam richtig gut rüber.
Und ich glaube, genau deshalb bin ich auch besser durch die Geschichte gekommen:
Selbst in Momenten, in denen mich die Handlung nicht komplett gepackt hat, habe ich trotzdem gerne weitergehört, einfach weil die Sprecher:innen es so angenehm und atmosphärisch gemacht haben.
Für mich ist das tatsächlich so ein Fall, wo ich sagen würde: Als Hörbuch funktioniert es besser als vielleicht nur gelesen. Ich sehe total, warum andere es lieben könnten. Aber bei mir ist der Funke eben nicht ganz übergesprungen.
Fazit
Eine unglaublich starke, düstere Atmosphäre und ein spannendes Konzept mit wirklich gelungenem Hörbuch. Aber durch den für mich zu schwachen Romantasy-Anteil und die fehlende emotionale Sogwirkung bleibt es bei gut, statt wow.