Es gibt Geschichten, die man gerne liest oder hört und dann gibt es Geschichten, die einen nicht mehr loslassen. All the things I didnt say gehört für mich eindeutig zur zweiten Kategorie und ist zu meinem absoluten Lieblingsbuch geworden.
Ich konnte mich unglaublich gut in Sadie hineinversetzen. Nach außen versucht sie immer, perfekt, freundlich und hilfsbereit zu sein. Sie möchte niemanden enttäuschen und übernimmt viel zu viel Verantwortung, während sie ihre wirklichen Gedanken nur in ihren nie abgeschickten E-Mails festhält. Hinter der unterhaltsamen Handlung steckt deshalb so viel mehr als eine typische Highschool-Romanze: Es geht um Leistungsdruck, familiäre Erwartungen, Verlustängste und das Gefühl, immer funktionieren zu müssen.
Als Sadies E-Mails versehentlich verschickt werden, ist das natürlich unglaublich chaotisch und stellenweise herrlich unangenehm. Gleichzeitig zwingt es sie dazu, sich mit ihren unterdrückten Gefühlen auseinanderzusetzen und endlich für sich selbst einzustehen. Ihre Entwicklung hat mich besonders berührt, weil sie nicht plötzlich zu einem völlig anderen Menschen wird, sondern langsam lernt, dass sie nicht perfekt sein muss, um geliebt und akzeptiert zu werden.
Auch Julius habe ich sehr schnell ins Herz geschlossen. Die Wortgefechte, die Konkurrenz und die kleinen Sticheleien zwischen ihm und Sadie haben mich oft zum Lachen gebracht. Gleichzeitig steckt hinter ihrer Rivalität eine sehr liebevolle Verbindung. Besonders schön fand ich, wie aufmerksam Julius Sadie wahrnimmt und dass er auch die Seiten an ihr erkennt, die sie vor allen anderen verstecken möchte. Ihre Beziehung entwickelt sich witzig, gefühlvoll und voller Spannung für mich ist sie genau die richtige Mischung aus Rivals to Lovers und gegenseitigem Verständnis.
Simone Scheuer hat Sadies Gefühle für mich wunderbar eingefangen. Ihre Stimme passt hervorragend zu der Figur und vermittelt sowohl Sadies trockenen Humor und ihre Wut als auch ihre Unsicherheit und Verletzlichkeit. Durch die lebendige Lesung konnte ich vollkommen in die Geschichte eintauchen und wollte das Hörbuch kaum unterbrechen.
All the things I didnt say hat mich zum Lachen und Weinen gebracht, mich berührt und mir gleichzeitig das Gefühl gegeben, verstanden zu werden. Ich würde die Geschichte am liebsten noch einmal zum ersten Mal erleben. Eine ganz große Empfehlung für alle, die emotionale Jugendbücher, akademische Rivalen, ehrliche Charakterentwicklung und eine wunderschöne Liebesgeschichte mögen.