"Mein Herz wurde unzählige Male von der selben Hand gebrochen, aber ich würde es noch einmal zulassen, wenn diese Hand dir gehört."
Kapitel 37
Vier Jahre ist es her, seit Dani von einem Tag auf den anderen aus Levis Leben verschwand - weil er ihr das Herz gebrochen hat. Als sie sich unvermittelt in einer Bar wiedersehen und er sie ungefragt zu seiner Fake-Freundin macht, kommen all die unterdrückten Gefühle wieder in ihr hoch. Ihre Liebe zu ihm, die Enttäuschung über seinen Verrat, die Trauer. Dani spielt die Rolle mit und willigt schließlich ein, Levi zur Hochzeit seiner Schwester zu begleiten. Dazu gehören einige Verpflichtungen und auch gemeinsame Essen mit seiner Familie. Hier begann es für mich schon zu stocken. Seine jüngeren Zwillingsschwestern sind acht, haben Dani vier Jahre nicht gesehen, scheinen sie aber weder vergessen zu haben, noch sauer zu sein, weil Dani damals nicht nur Levi, sondern auch die 4jährigen Zwillinge hinter sich ließ.
Dani möchte an eine renommierte Modeschule, schließt gerade die letzten Designs ab, aber irgendwie scheint ihr Inspirationsfluss ins Stocken geraten zu sein. Sie kann anscheinend nur richtig kreativ arbeiten, wenn sie verletzt und gekränkt ist. Gut, dass ihr Levi einigen Anlass zu Missverständnissen gibt und sie so wieder neue Ideen hat. Generell wirkt Dani sehr unrund, sie hat massive Selbstwertprobleme, auch durch Levis Verrat damals. Nun scheint ausgerechnet er sie zu heilen, mehr braucht es dafür nicht. Dani ist sprunghaft und wirkt manchmal unreif, fast kindlich, in ihrem Verhalten aber auch in ihren Designs.
Als Dani bedrängt wird, setzt sie sich zwar im ersten Moment zur Wehr, aber es sind Levi und ihre Mutter, die für Konsequenzen sorgen. An diesem Punkt hatte ich das Gefühl, Dani ist maximal 15 und nicht 20.
Levi wirkt insgesamt reifer und überlegter, er möchte sich für eine gut bezahlte Stelle bewerben. Nicht, weil es das ist, was er machen möchte, sondern um finanziell so gut abgesichert zu sein, dass er seine Mutter und die kleinen Schwestern unterstützen kann, wenn das nötig werden sollte. Einerseits wird er von Dani und ihren Freundinnen als Traumtyp, andererseits ist er sehr schüchtern. Anscheinend ganz anders als früher an der Highschool, warum das so ist, wird leider nicht aufgelöst.
In kurzen Einschüben erfahren wir immer wieder von Levis Gefühlen, trotzdem bleiben sie mir zu diffus und bei mir kam wenig Prickeln zwischen den beiden auf. Sie finden zwar anscheinend nahtlos in das vertraute Verhältnis von damals zurück, und obwohl sie sich gegenseitig sehr verletzt haben, scheinen sie sich nicht böse zu sein. Der Humor zwischen ihnen, aber auch zwischen Dani und ihren Freundinnen, kam dafür gut rüber und hat auch mich einige Male zum Schmunzeln gebracht.
Dani und Levi haben beide ihren Vater verloren, ein Element, das sie verbindet. Für mein Gefühl wurde dies zwar als emotionalen Klebstoff zwischen den beiden benutzt, aber nicht in dem Maße aufgegriffen und verarbeitet, wie es nötig gewesen wäre. Eine weitere ungenutzt Chance, dem Roman etwas mehr Tiefe zu verleihen. Generell werden einige schwere Themen angekratzt, aber nicht genügend aufgearbeitet.
"Picking Daisies on Sundays" ist locker und temporeich erzählt, das holt einige Bewertungspunkte. Zwischen Näheinheiten und Aktivitäten rund um die Hochzeit kam mir aber das grundlegende Verhältnis zwischen den beiden und das Aufarbeiten der Vergangenheit zu kurz.
Es ist ein schmaler Grad zwischen romantischen Gesten und übergriffigem Verhalten, gerade zum Ende hin wurde dieser für mich massiv überschritten.
Levi trifft grundlegende Entscheidungen für sie beide, ohne einmal mit Dani darüber zu reden. Obwohl sie sich ohne Worte zu verstehen scheinen, bleibt eine Distanz und Unfähigkeit, die Geschehnisse von damals und Missverständnisse von heute anzusprechen.
Das Hörbuch wird von Sabine Menne und (kurze Teile) von Sebastian Seidel gesprochen. Ich finde, Sabine Menne hat wirklich ganze Arbeit geleistet und die Geschehnisse und Gefühle sehr gut rübergebracht.
Fazit:
Locker und unterhaltsam geschrieben, was mich leider nicht über die Lücken in der Handlung hinwegtäuschen konnte.