Geschichtsunterricht bei Florian Illies ist immer wieder ein Vergnügen. Diesmal entführt er uns ins 17. Jahrhundert nach Brandenburg eine Welt voller großer Träume, politischer Turbulenzen und unbändiger wissenschaftlicher Neugier. Im Zentrum steht die faszinierende Beziehung zwischen dem Großen Kurfürsten und seinem Schützling, dem Alchemisten Johannes Kunckel. Der Kurfürst ist nicht nur ein Herrscher er ist ein Mann mit großen Ambitionen, angetrieben von der unstillbaren Leidenschaft für Gold. Und genau diesen Funken Hoffnung setzt er auf den brillanten Kopf des Kunckel.
Was mich sofort fesselte, war die Art und Weise, wie Illies das Geschehen beschreibt: Es ist gleichzeitig atmosphärisch dicht, lehrreich und humorvoll. Wir erleben nicht nur ein Experimentierlabor auf der Pfaueninsel, sondern einen Mikrokosmos der höfischen Gesellschaft. Das Herzstück des Romans ist Kunckels Erfindung eines rubinroten Glases mit außergewöhnlicher Leuchtkraft ein Luxusgut, das schnell zu einem begehrten Exportartikel wird. Aber es geht nicht nur um die chemischen Prozesse.
Was Illies sehr gut einfängt, ist der Mensch hinter dem Wunder: Kunckels Begeisterung für die Alchemie und seine großen Träume treffen auf die politischen und familiären Probleme des Kurfürsten. Man spürt das Spannungsfeld zwischen wissenschaftlicher Entdeckung und den Erwartungen des adligen Hofes. Ich war überrascht, wie viel ich in knapp drei Hörstunden über die Welt der Glasmacher, die Intrigen am barocken Hof und das komplizierte Machtgefüge lernen konnte. Der Sprecher Stephan Schad trägt mit seiner nuancierten Vortragsweise maßgeblich zum Hörvergnügen bei. Ein gelungener Mix aus Geschichtsroman, Wissenschaftsgeschichte und einem spannenden Drama.