In der Stilistik Thomas Manns liegt dieses markant-prägnant-charmante Element, das einen sofort in seinen Bann zieht. Man sieht dadurch jede beschriebene Szene sofort bildlich vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen und kann die Gefühle und Stimmungen der einzelnen Charaktere sehr gut nachempfinden. Die prosaischen Gemälde, die sich dabei offenbaren, präsentieren sich innerhalb ihrer literarischen Ästhetik mit Herz und Geist und entfalten dabei ihre ganz eigene Stimmung. Von daher ist genüsslicher Hörspaß garantiert, hier beim sechsten Teil von Thomas Manns Erzählungen.
"Der Bajazzo" erzählt von einem jungen Mann, durchaus mit künstlerischer Talent begabt, welcher seine Schul- und Lehrzeit in einem träumerischen und desinteressierten Zustand hinter sich bringt und durch den Tod seiner Eltern ein Kapital erbt, dass ihm ermöglicht von dessen Zinsen ein recht gut situiertes Leben zu führen ohne arbeiten gehen zu müssen. Er verbummelt seine Twenjahre im Ausland, spielt regelmäßig Klavier und liest gerne brandneue Romane von angesagten Autoren und beschließt schließlich an einem finalen Standort sesshaft zu werden. Doch der musische Dauerzustand der letzten Jahre fordert seinen psychologischen Tribut er weiß nicht recht wie er seinen unbekümmerten unverdienten Lebensstil vor der Gesellschaft rechtfertigen soll. Zudem verliebt er sich in eine junge Frau, doch ein unbeholfener Annäherungsversuch scheitert kläglich und er beginnt die Kontrolle über sein Selbstverständnis und seine Gedanken zu verlieren. . . .
"Der Weg zum Friedhof" erzählt von einem Menschen, dem das Schicksal übel mitgespielt hat. Frau und Kinder sind verstorben und der Alkohol ist sein einziger verbliebener Freund. Während eines Spaziergangs entladen sich dessen Trauer, Wut, Enttäuschung in einem bösartigen Tobsuchtsanfall anlässlich einer Lappalie.