In der Stilistik Thomas Manns liegt dieses markant-prägnant-charmante Element, das einen sofort in seinen Bann zieht. Man sieht dadurch jede beschriebene Szene sofort bildlich vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen und kann die Gefühle und Stimmungen der einzelnen Charaktere sehr gut nachempfinden. Die prosaischen Gemälde, die sich dabei offenbaren, präsentieren sich innerhalb ihrer literarischen Ästhetik mit Herz und Geist und entfalten dabei ihre ganz eigene Stimmung. Von daher ist genüsslicher Hörspaß garantiert, hier beim siebten Teil von Thomas Manns Erzählungen.
"Wälsungenblut" erzählt von den Zwillingen Siegmund und Sieglind, welche aufgrund des Reichtums ihrer Eltern unter einer Käseglocke der Biederkeit und des Snobismus existieren, nach eigenem Verständnis aber besten Einblick und tiefste Einsichten in alle Bereiche des Lebens, vor allem der Kunst, aufweisen. Bein einer Theateraufführung keimt in Siegmund kurz etwas wie eine schwache Ahnung davon auf, dass sein theoretisches Wissen über Kunst und seine Vorstellungen von der Welt keinen Pfifferling wert sind, aber zu einem Hinterfragen seiner eigenen in Stein gemeißelten Grundsätze und Ansichten wird er dadurch auch nicht animiert. Die Kommunikation mit seiner Schwester, die sein einziger Gesprächspartner ist, gleicht einer Art gegenseitigem liebkosenden Schwelgen in zusprechenden Plattitüden, deren Sprache nicht die Worte wert ist, welche die beiden gebrauchen. "Der Kleiderschrank" berichtet von einem Todgeweihten, der während eines Zwischenstopps auf einer Zugfahrt unplanmäßig seine Reise abbricht, entsprechenden Bahnhof verlässt und ohne Kenntnis von Uhrzeit, Wochentag und Stadtnamen durch die Straßen schlendert bis er sich dazu entschließt ein Zimmer in einer Pension zu beziehen. Darin macht er eine unerwartete Bekanntschaft. Im Kleiderschrank steht ein nacktes Mädchen, das ihm vorzügliche Lyrik vorträgt und interessante Geschichten erzählt was hat es damit bloß auf sich? "Enttäuschung" berichtet von einer Person, die sich genötigt sieht, einem Touristen in Venedig seine wichtigsten Lebenserlebnisse zu schildern. Ob Liebe oder Hass oder Kunstschätze der Menschheit alles hat ihn nicht sonderlich beeindruckt. . . .