In der Stilistik Thomas Manns liegt dieses markant-prägnant-charmante Element, das einen sofort in seinen Bann zieht. Man sieht dadurch jede beschriebene Szene sofort bildlich vor dem geistigen Auge Gestalt annehmen und kann die Gefühle und Stimmungen der einzelnen Charaktere sehr gut nachempfinden. Die prosaischen Gemälde, die sich dabei offenbaren, präsentieren sich innerhalb ihrer literarischen Ästhetik mit Herz und Geist und entfalten dabei ihre ganz eigene Stimmung. Von daher ist genüsslicher Hörspaß garantiert, hier beim achten Teil von Thomas Manns Erzählungen.
"Der kleine Herr Friedemann" wurde als Baby von seiner alkoholkranken Amme auf den Boden fallen gelassen, wovon er bleibenden Schaden davontrug und fortan gezwungen war, sein Leben mit schwerer Behinderung zu meistern. Trotz erfolgreichem Schulabschluss und absolvierter Kaufmannslehre muss Herr Friedemann mit den herablassenden Blicken und mitleidigem Betrachten seiner Mitmenschen klar kommen, woran er sich aber mit der Zeit gewöhnt. Aber dann legt eine zugezogene gelangweilte Haus- und Ehefrau eine solch perfide herzlose und pervers krankhafte Verhaltensweise gegenüber Herrn Friedemann an den Tag, dass man sich schämen muss, der gleichen Spezies wie dieser Frau zugerechnet zu werden. "Beim Propheten" lässt uns an einem skurrilen Zusammenkommen unterschiedlicher Kunstinteressierter Geister teilnehmen, bei welchem ein ultimatives Prophetentalent den geladenen Zuhörern sein Verständnis von der Welt offenbart.
"Schwere Stunde" beschreibt eindrucksvoll den inneren Kampf eines Schriftstellers, der an einer Schreibblockade leidet und diese schließlich überwindet.