Ein alptraumhafter Ritt quer durch die Hölle. Absolut lesenswert, aber nichts für zarte Gemüter.
Ein alptraumhafter Ritt quer durch die Hölle, so könnte man dieses Buch meiner Meinung nach gut zusammenfassen. Es kommt mit so einem Wucht daher, dass man als Leser von den Füßen gerissen wird und sich komplett in die tiefschwarze Geschichte verliert. Obwohl es mich manchmal ziemlich fertig und wütend gemacht hat und mich sogar in meinen Träumen gefolgt ist, bin ich unglaublich begeistert von diesem Roman. Es ist fesselnd, unvorhersehbar, unglaublich phantastisch und hat Tiefgang. Einfach nur atemberaubend gut.¿Das Schiff der verlorenen Kinder' basiert eigentlich auf die gleichnamige Comic-Reihe, die ich aber nie gelesen habe. Daher war diese düstere Geschichte neu für mich. Am Anfang lernt man Leo und Felix kennen und man merkt, dass ihre Situation zu Hause nicht sehr schön ist. Das dauert aber nicht lange, weil nachdem er Streit mit seiner Mutter hat uns sie sich mehr oder weniger gegenseitig zuschreien, dass sie sich nie wieder sehen wollen, materialisiert sich das Zimmer mit den beiden Brüdern an Bord eines Schiffes. Erst nach und nach lernen Leo und Felix den haarsträubenden Alltag auf dem ¿Seelenfänger' kennen und ihnen wird klar, dass sie es nicht so schnell nach Hause schaffen werden.Von Anfang an ist diese Geschichte spannend und geht unter die Haus. Sowohl die Szene bei Felix und Leo zu Hause als die Geschehnisse auf dem Schiff haben mich sehr mitgenommen. Es war hart lesen zu müssen, wie die Monster mit den Kindern umgehen. Noch härter ist aber die Erkenntnis, dass die Monster daher entstanden sind, weil die Kinder in der realen Welt, weit weg vom Nachtmeer, mit Menschen klarkommen mussten, die diese Monster in sich trugen. Es ist der reine Horror, weil es halt ein reales gesellschaftliches Problem aufgreift, dass so viele betrifft, was auch in dieser Geschichte noch mal verdeutlicht wird an der Anzahl der Kinder, die an Bord des Seelenfängers leben.Die Idee an sich fand ich großartig. Ein Schiff, das eigentlich dazu da war, Kinder zu retten, jetzt aber von Monstern übernommen worden ist. Die Monster sind sehr detailliert beschrieben worden und lassen einem das Blut in die Adern gefrieren. Es gibt Werwölfe, Vampire, Ghule und so weiter, aber auch Wesen, die so unglaublich grotesk aussehen, dass man einfach nur Abscheu verspüren kann. Mir taten die Kinder leid, die da gefangen saßen, aber in mir wuchs auch die Wut und die Hoffnung, dass vielleicht Felix und Leo, die neu angekommen waren und noch nicht, so wie viele anderen, resigniert hatten, etwas ändern könnten.Felix und Leo spielen dann auch gemeinsam mit Asra und Chrissy eine Hauptrolle in dem Buch. Sie sind die Hauptprotagonisten und man erlebt die Geschehnissen durch ihre Augen. Man lernt die Abläufe auf dem Schiff gemeinsam mit ihnen kennen. Man fährt zu dem alptraumhaften Nachtturm und hofft, dass sie ihr Plan erfolgreich werden umsetzen können. Und man fiebert einfach die ganze Zeit mit.Das Setting des Schiffs mit den vielen Zimmern und das dunkle Nachtmeer, wo nie die Sonne scheint, mochte ich sehr. Jede Seite triefte von einer so bedrohliche Schwärze und Dunkelheit, dass es die Intensität der Geschichte nur noch steigerte.Meiner Meinung nach ein unglaublich starkes Buch, das mich sehr mitgenommen hat. Das Phantastische: das Schiff, die Monster, die Rückseite der Wirklichkeit und den Nachtturm haben mich tief beeindruckt und mich immer wieder aufs Neue den Atem geraubt. Das Leid der Kinder aber hat mich fertig gemacht. Trotzdem konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, weil immer noch eine kleine Funke Hoffnung da war, dass die Kinder die Monster würden besiegen können. Auf jeden Fall ist es kein Buch für zarte Gemüter, sonst absolut empfehlenswert!