Manchmal liegt so ein Buch auf dem Tisch und wirkt erst harmlos. Schlicht, ruhig, fast zurückhaltend. Und dann klappt man es auf und merkt nach wenigen Seiten: Das hier meint es ernst mit einem. Jetzt sind Sie gefragt ist kein Buch zum Weglesen, sondern eines, das zurückfragt. Direkt. Ohne Umwege. Ohne Trostpflaster.
Rolf Dobelli stellt Fragen, die im ersten Moment simpel wirken und im zweiten anfangen zu nagen. Nicht laut, nicht aggressiv, eher wie ein Gedanke, der sich abends meldet, wenn alles still wird. Bin ich wirklich zufrieden oder nur gut beschäftigt? Lebe ich mein Leben oder reagiere ich nur darauf? Solche Fragen treffen, weil sie nichts erklären wollen, sondern Raum lassen. Und dieser Raum fühlt sich manchmal verdächtig ehrlich an.
Besonders stark ist die Unaufgeregtheit. Keine Lebensformeln, keine Zehn-Schritte-zum-Glück-Nummer. Stattdessen kurze Impulse, klare Sprache, viel Vertrauen in den Leser. Man merkt, dass Dobelli davon ausgeht, dass da jemand sitzt, der denken kann und vielleicht auch will. Das macht das Buch angenehm erwachsen.
Zwischendurch entsteht dieses leise Kopfnicken. Ja, stimmt. Oder dieses kurze Innehalten, wenn ein Satz zu nah kommt. Manche Fragen liest man schneller, andere legt man kurz zur Seite. Nicht, weil sie schwer sind, sondern weil sie sitzen. Genau da, wo man sonst gern drüber hinweggeht.
Jetzt sind Sie gefragt ist kein Buch für den schnellen Motivationskick. Eher eines für den Küchentisch, den Balkon, den Kaffee am Nachmittag. Für Momente, in denen man ehrlich zu sich sein will oder zumindest mutig genug, es zu versuchen. Und genau deshalb bleibt es länger im Kopf als viele dicke Ratgeber.