Nachdem sie ihre Familie an den schrecklichen Tsunami vom 11. März 2011 verloren hat, findet Yui keine Verbindung mehr zu ihrem Leben, kann ihre Erinnerungen nicht loslassen. Doch eines Tages hört sie vom Telefon des Windes in einem abgelegenen Teil Japans, auf hohen Klippen über dem Meer, ein Telefon, durch das Hinterbliebene mit geliebten Menschen sprechen. Dort findet sie nicht nur langsam Frieden, sondern vielleicht auch eine Zukunft... Die Geschichte von Yui und Takeshi und ihre Verbindung zum Telefon des Windes beruht auf wahren Begebenheiten. Die Telefonzelle am Ende der Welt gibt es tatsächlich und sie schenkt jedes Jahr vielen Menschen Trost. So auch Yui. Die Autorin erzählt die Geschichte einer Mutter, die allein zurückgeblieben ist, die mit ihrem Leben nicht mehr viel anfangen kann, die sich nicht überwinden kann, zu trauern. Trotzdem ist das Buch nicht deprimierend, viel eher hoffnungsvoll und freundlich. Der Erzählstil ist ungewöhnlich, ruhig und wird immer wieder durchbrochen von Details, die die Handlung ergänzen, etwa Buchtitel, Songtexte oder einfache Listen. Wirklich nahe kommt man keiner der Personen, man lernt sie kennen und hört ihre Ängste und Gedanken, doch es bleibt auch ein wenig reservierte Distanz, auch wenn das zum Buch zu passen scheint. Auch die Handlung selbst zielt nicht auf einen bestimmten Punkt hin, stattdessen begleitet sie Yui und Takeshi und weitere Menschen auf ihrem Weg, mit den oft schweren Schicksalen, die ihnen widerfahren sind, umzugehen. Das Buch erzählt keine klassische Liebesgeschichte, eher die Geschichte von Vertrauen, langsam zurückkehrender Zuversicht und Heilung. Das alles geschieht auf zurückhaltende, leise Art, mit mehr stillen Beobachtungen als großen Worten, auch mit ein wenig Distanz zu den Protagonisten, auf typisch japanische Art. "Die Telefonzelle am Ende der Welt" ist ein ruhiges, aber auch einfühlsames Porträt von Trauer und Loslassen, das den Mut vermittelt, die Leere überwinden zu können.