3,5 Sterne___________In Heaven erzählt Mieko Kawakami die Geschichte eines 14-jährigen Jungen, der aufgrund seines Schielens zum Ziel von Mobbing wird. Der Protagonist bleibt über das gesamte Buch hinweg namenlos, womit ich mich lange schwergetan habe. Es entsteht eine leise, zerbrechliche (Brief-)Freundschaft mit Kojima, einem Mädchen, das ein ähnliches Schicksal erleidet. Beide sind Außenseiter, verbunden durch Schmerz, Einsamkeit und den Versuch, ihrer Situation irgendeinen Sinn abzuringen.Der Einstieg fiel mir nicht leicht. Ich empfand das Buch zunächst als schleppend, der Schreibstil war nicht zu 100 % meiner und gerade die Namenslosigkeit des Protagonisten brachte für mich eher Distanz als Nähe. Was ich jedoch besonders kritisch sehe: Die Triggerwarnung hat gefehlt! Das Mobbing wird sehr klar, detailliert und schonungslos beschrieben, ebenso werden Suizidgedanken offen thematisiert. Trotzdem (oder vielleicht gerade deshalb) ist Heaven ein ungewöhnliches, schmerzhaftes und bewegendes Buch. Besonders das Gespräch mit einem der Täter hat mich wütend zurückgelassen. Kojimas Gedanken konnte ich nicht immer nachvollziehen; oft hatte ich Fragezeichen im Kopf. Doch auch das scheint Teil der Erzählung zu sein: Nicht alles Leid lässt sich logisch erklären oder einordnen.Das Ende empfand ich als sehr abrupt und fast ernüchternd. Nach all der emotionalen Intensität hätte ich mir ein paar Seiten mehr gewünscht, etwas mehr Raum zum Atmen und zum Verarbeiten.Eine klare Empfehlung auszusprechen, fällt mir schwer. Heaven ist kein Buch, das man "gern" liest. Und doch bin ich trotz aller Kritik sehr froh, es gelesen zu haben. Es bleibt im Kopf, es schmerzt, es fordert heraus.