Brillant geschrieben, moralisch fragwürdig ¿ und plötzlich vorbei!!
Yellowface ist definitiv ein Roman, bei dem man aufmerksam bleiben muss. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, aber die Geschichte verlangt Konzentration - nebenbei lesen funktioniert hier eher weniger.Besonders interessant fand ich die Hauptfigur. Gleichzeitig war sie mir unglaublich unsympathisch. Sie handelt skrupellos, trifft moralisch fragwürdige Entscheidungen und schafft es immer wieder, ihr eigenes Verhalten vor sich selbst zu rechtfertigen. Beim Lesen hatte ich ständig diesen Gedanken: Warum machst du das jetzt?! Man erkennt ihre Fehler teilweise schon lange, bevor sie selbst deren Konsequenzen wahrhaben will. Gerade das macht ihre Perspektive aber auch spannend: Man begleitet keinen moralisch guten Menschen, sondern jemanden, dessen Verhalten man immer wieder hinterfragt.Lange Zeit empfand ich die Handlung als solide, aber nicht überragend. Gegen Ende nimmt der Roman dann richtig Fahrt auf. Die letzten Seiten wurden für mich mit Abstand am spannendsten und ich wollte unbedingt wissen, wie das Ganze ausgeht.Und genau deshalb hat mich das abrupte Ende etwas enttäuscht. Ich blieb mit dem Gefühl zurück: Ja ... und jetzt? Was passiert als Nächstes? Da hätte ich mir definitiv noch etwas mehr gewünscht.Insgesamt fand ich Yellowface interessant und gut geschrieben, aber es ist kein Buch, das ich unbedingt noch einmal lesen müsste oder das mir besonders lange im Gedächtnis bleiben wird. Die ungewöhnliche, moralisch zweifelhafte Hauptfigur sorgt jedoch dafür, dass man beim Lesen ständig über ihre Entscheidungen nachdenkt.Stellenweise 4 Sterne, im ganzen reicht es für 3.5 Sterne.