Yellowface von Rebecca F. Kuang hat mich insgesamt wirklich positiv überrascht. Ich hatte das Buch dank eines wunderbaren Buchclubs gelesen, denn sonst hätte ich wahrscheinlich nie danach gegriffen. Zu Beginn wusste ich überhaupt nicht, wohin die Reise gehen würde, und war schon nach den ersten Seiten ziemlich überrascht von der Richtung, die die Geschichte einschlägt.Das Buch lässt sich unglaublich gut lesen. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen und konnte ehrlich gesagt kaum noch aufhören zu lesen. Obwohl es nur wenige Dialoge gibt, war die Handlung durchgehend spannend und hat mich gefesselt. Besonders interessant fand ich die schonungslose Darstellung der Verlagswelt. Der Buchverlag wird in diesem Roman regelrecht auseinandergenommen, und ich habe mich mehr als einmal gefragt, ob nicht doch einiges davon der Realität entspricht. Ehrlich gesagt kann ich mir sehr gut vorstellen, dass hinter verschlossenen Türen manches ähnlich abläuft.Besonders beeindruckt hat mich, wie sehr das Buch zum Nachdenken anregt. Themen wie Rassismus, kulturelle Aneignung, Privilegien und die Macht sozialer Medien ziehen sich durch die gesamte Geschichte. Der Rassismus, der an vielen Stellen sichtbar wird, macht das Lesen teilweise unangenehm, aber genau das sorgt auch dafür, dass man sich intensiv mit den angesprochenen Themen auseinandersetzt.Die Protagonistin hat mich dabei regelmäßig auf die Palme gebracht. Teilweise habe ich sie regelrecht gehasst und konnte viele ihrer Entscheidungen überhaupt nicht nachvollziehen. Gleichzeitig macht genau das einen großen Teil der Spannung aus.Ein paar kleinere Kritikpunkte habe ich dennoch. An einigen Stellen hat sich die Geschichte minimal gezogen, auch wenn das für mich nicht besonders schlimm war. Deutlich mehr gestört hat mich jedoch das Ende. Ich hatte erwartet, dass die Geschichte mit einem richtig großen Knall endet, und war deshalb etwas enttäuscht, dass das Finale nicht ganz meinen Erwartungen entsprach.Trotzdem ist Yellowface für mich ein äußerst lesenswertes Buch, das unterhält, schockiert und lange nach dem Lesen im Kopf bleibt.