Für Sam steht die Welt Kopf: vor ein paar Monaten hat man in ihrem Land einen irren Misogynisten und Dilletanten ins weiße Haus gewählt, ihre Teenager-Tochter ist emotional für sie kaum noch erreichbar und das gemeinsames Leben mit ihrem Mann, in ihrem Haus am Stadtrand, kann sie nicht mehr ertragen. Also bricht sie aus, abrupt und nicht ganz durchdacht, zieht in einen kleinen, halb verfallenen Bungalow in der Stadt. Sie will sich selbst verstehen und sie will das Land, die Leute verstehen; will verstehen, wie es soweit kommen könnte. Herausfinden, wie es weitergehen kann.Die Lektüre von "Unberechenbar" war ein stetes auf und ab für mich. Gerade zu Anfang stottert der Text manchmal wie ein Motor und der Stil wirkt wie ein heftig aber erfolglos im Zündschloss gedrehter Schlüssel. Umständliche Beschreibungen, aber auch etwas zu schnell etablierte Plotelemente, erzeugten in mir den Eindruck eines Ungleichgewichts und einer Ungeduld, von der ich mich hier und da als Leser empfindlich vernachlässigt fühlte.Es ist aber genau diese Ungeduld, dieses Drängende, das die Atmosphäre des Buches auch auf den Punkt bringt und die Themen, die es verhandelt, am besten durchdringt. Sam ist eine Getriebene in einem Land voller getriebener Menschen, aber auch voller Wohlstandszufriedener, sowie voller Verzweifelter, die nichts mehr zu verlieren haben; kurzum: sie lebt in einer Gesellschaft, die schon längst auseinandergedriftet ist, -gerissen wurde. Da kann man schon mal nervös werden, getrieben sein, sich unberechenbar fühlen/verhalten; vielleicht ist das die einzig gesunde Reaktion. Dennoch ist der Stil, selbst wenn er aufgeht, stellenweise gewöhnungsbedürftig. Nichtsdestotrotz sind die Geschichten, die das Buch erzählt, aktuell und wichtig.