Mit Schattengeflüster erscheint nach Das verborgene Volk und Blutbande der dritte Teil der Riannu-Reihe von Marina K. Wolf. Wie die beiden vorherigen Bände verzichtet auch Schattengeflüster auf epische Schlachten oder große Magie, wie man es von anderen Fantasy-Reihen gewohnt ist, sondern besticht vor allem mit der Natürlichkeit, mit der die Magie in Wolfs Welt erklärt wird sowie den vielschichtigen Charakteren von Kindern, die zu schnell erwachsen werden mussten, aber dennoch normale Teenager-Probleme erleben, Gangsterbossen, die zu gleichen Teilen liebenswert und angsteinflößend sind, und politischen Figuren, die als Analogie zu unsere Gesellschaft gesehen werden können. Die Hauptcharaktere sind Jugendliche, sie erleben ihre ersten Beziehungen und Gefühle, der Fokus liegt aber nie auf Sex an sich. Vielmehr wird auf die Konsequenz der Beziehungen eingegangen: verbotene Liebe aufgrund der Herkunft, Queerness und die Reaktion auf gleichgeschlechtliche Liebe alles Themen, die auch in unserer Gesellschaft brandaktuell sind.
Alles in allem ist Schattengeflüster meiner Meinung nach der bisher stärkste Teil der Reihe. Er greift die Natürlichkeit der Magie, die man aus den vorherigen Teilen schon kennt, auf und zeigt noch einmal deutlich, dass die Anuán nichts ist, das man fürchten muss oder das man durch hohe Magie erwerben kann. Sie ist etwas natürliches mit dem man geboren wurde, so wie manche Leute besser singen können und andere eine technische Begabung haben. In diesem Aspekt erinnert die Riannu-Reihe an die Grisha-Bücher von Leigh Bardugo, in der die Magie der Grisha ähnlich erklärt wird: angeboren, natürlich und an sich nicht gefährlich. Erst das Misstrauen dem Unbekannten gegenüber führt dazu, dass das Natürliche, das die Irshari ursprünglich ausgemacht hat, verloren geht und sich die Probleme zwischen den beiden Völkern so weit zuspitzen, dass alles, bis hin zu offenem Krieg, möglich scheint. Das Buch endet in einem Cliffhanger und lässt den Leser gespannt auf Teil 4 zurück.