Fesselnder Auftakt der Trilogie zum Spanischen Bürgerkrieg
Der spanische Autor Arturo Pérez-Reverte, selbst einige Jahre Kriegsberichterstatter, entführt uns mit diesem ersten Teil einer Trilogie rund um den charismatischen Geheimdienstmitarbeiter Lorenzo Falcó in das Spanien von 1936 wo nach dem Sturz der Republik der Bürgerkrieg tobt. Zahlreiche größere oder kleiner Gruppierungen wollen mit Waffengewalt entweder ihre neu gewonnene Macht verteidigen oder einen weiteren Umsturz herbeiführen oder die alte Macht, sei es Monarchie oder Republik wieder herstellen. "Falangisten, Sozialisten, Kommunisten oder Anarchisten - sie bekämpfen sich, obwohl man vor wenigen Monaten noch vieles miteinander geteilt hat", in blutigen Straßenkämpfen. Noch ist höchst unklar, wer als Gewinner aus diesem Bürgerkrieg hervorgehen wird. Zumal ausländische Mächte versuchen, diesen instabilen Zustand für eigene Zwecke zu missbrauchen. So bestehen zwischen den Putschisten des General Francos und Nazi-Deutschland enge Beziehungen. Die deutsche Rüstungsindustrie sieht den spanischen Bürgerkrieg als "Blaupause" für kommende Ereignisse. Dass das Deutsche Reich in wenigen Tagen Francos Regierung anerkennen wird, ahnt man vielleicht mehr als man weiß. Ein heißer, chaotischer Herbst steht den verschiedenen Gruppierungen, die ihren eigenen Geheimdienst und eigene Miliz hat, bevor. "Es war wie ein Scheiterhaufen, auf dem die besten ihrer Generation verbrannten oder noch verbrennen würden. Auf der einen Seite wie auf der anderen."(S.105) In diesem gefährlichen Chaos hat Lorenzo Falcó klar umrissene Aufträge, die abgearbeitet werden müssen. Nach dem er zuerst eine Frau im Zug identifiziert hat, lautet die nächste Aufgabe, den prominenten Falangisten-Führers José Antonio aus dem Gefängnis von Alicante zu befreien. Dazu muss er mit einer lokalen Rebellengruppe zusammenarbeiten, die lediglich aus einem Mann und zwei Frauen besteht, darunter die zwielichtige Eva. Recht bald kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, da die Rebellen weitere Gesinnungsgenossen befreien wollen, was aber Falcós Auftrag widerspricht. Zudem kommen sich Eva und Falcó näher als für ihn persönlich gut ist ... Meine Meinung: Autor Arturo Pérez-Reverte beleuchtet mit diesem ersten Band seiner Trilogie eine Facette des Spanischen Bürgerkriegs, der nicht allgemein so bekannt ist. Ja, man kennt die Legion Condor, die Internationalen Brigaden und das Massaker von Guernica. Aber die vielschichtigen Details, die Grabenkämpfe, Doppel-Strategien und private Racheakte, bleiben oft verborgen. Hier werden Falschspieler und Verräter enttarnt. Sein Geheimdienstagent Lorenzo Falcó hat ein bisschen etwas von James Bond, ist er doch gut trainiert, charismatisch, liebt Maßanzüge, gutes Essen und schöne Frauen. Dabei kann er sich nicht sicher sein, ob sich nicht hinter einen hübschen Fassade eine Verräterin verbirgt. Zudem schafft er es immer wieder, dem Tod so gerade noch von der Schaufel zu springen. Doch ganz ohne Blessuren geht es nicht ab. Ich habe vor kurzem "Der Italiener" von Arturo Pérez-Reverte gelesen, das von den gefährlichen Einsätzen der italienischen Kampftaucher, die in der Straße von Gibraltar auf ihren "Maiale" (=Schwein) genannten bemannten Torpedos zahlreiche Sabotageakte verübt haben, handelt. Pérez Revertes penible Recherchen zu den Ereignissen in Spanien während der Jahre des Bürgerkriegs von 1936 bis 1939 und sein Talent, komplexe politische Zusammenhänge geschickt in die Handlung seiner historischen Romane einzubetten, kommen auch hier zum Einsatz. Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Lorenzo Falcó wird von seinem Auftraggeber, einem Marineoffizier, in dem er eine Art Vaterfigur sieht, als Befehlsempfänger und Söldner gesehen, dem es nicht zusteht, eine eigene (eventuell) abweichende Meinung zu haben bzw. sich Gedanken über seine Mission zu machen. Ich denke, das wird auf längere Sicht noch für Probleme sorgen. Seiner Arbeit als Spion geht er strategisch und minimalistisch nach. Mit den Idealen jenes Grüppchens, das ihm bei der Befreiungsaktion von José Antonio zur Hand gehen soll, kann er wenig anfangen. Die Brutalität an manchen Stellen mag manchen Leser verstören, entspricht aber Realität. Ich bin vom sachlich-spannenden Schreibstils des Autor begeistert. Auch der Übersetzung von Petra Zickmann muss Hochachtung gezollt werden. Band 2 ("Der Tod, den man stirbt") und 3 ("Das Los. Das man zieht") stehen schon bereit. Fazit:Dieser Auftakt zur Trilogie rund um den Spanischen Bürgerkrieg, die auf wahren Ereignissen beruht, hat mit sehr gut gefallen. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, gebe 5 Sterne und eine Leseempfehlung.