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Produktbild: Die Tagesordnung | Éric Vuillard
Produktbild: Die Tagesordnung | Éric Vuillard

Die Tagesordnung

(36 Bewertungen)15
100 Lesepunkte
Taschenbuch
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20. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagspräsidenten Hermann Göring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um über mögliche Unterstützungen für die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz - kaum ein Name von Rang und Würden fehlt an den glamourösen runden Tischen der Vermählung von Geld und Politik. So beginnt der Lauf einer Geschichte, die Vuillard fünf Jahre später in die Annexion Österreichs münden lässt. Bild- und wortgewaltig führt er den Leser in die Hinterzimmer der Macht, wo in erschreckender Beiläufigkeit Geschichte geschrieben wird. Dabei erzählt er eine andere als die uns bekannte Geschichte: Er zeigt den Panzerstau an der deutschen Grenze zu Österreich, er entlarvt Schuschniggs kleinliches Festhalten an der Macht, Hitlers abgründige Unberechenbarkeit und Chamberlains gleichgültige Schwäche. Mit der ihm eigenen virtuosen Eindringlichkeit und mit satirischem Biss seziert Vuillard die Mechanismen des Aufstiegs der Nationalsozialisten und macht deutlich: Die Deals, die an den runden Tischen der Welt geschlossen werden, sind faul, unser Verständnis von Geschichte beruht auf Propagandabildern.

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Produktdetails

Erscheinungsdatum
03. Juni 2020
Sprache
deutsch
Untertitel
Originaltitel: L'Ordre du Jour. 4. Auflage, Ungekürzte Ausgabe. Großformatiges Paperback. Klappenbroschur.
Auflage
4. Auflage, Ungekürzte Ausgabe
Ausgabe
Ungekürzt
Seitenanzahl
118
Reihe
MSB Paperback, 21
Autor/Autorin
Éric Vuillard
Übersetzung
Nicola Denis
Verlag/Hersteller
Originaltitel
Originalsprache
französisch
Produktart
kartoniert
Gewicht
95 g
Größe (L/B/H)
180/106/17 mm
Sonstiges
Großformatiges Paperback. Klappenbroschur
ISBN
9783957579072

Portrait

Éric Vuillard

Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, ist Schriftsteller und Regisseur. Für seine Bücher, in denen er große Momente der Geschichte neu erzählt und damit ein eigenes Genre begründete, wurde er u. a. mit dem Prix de l Inaperçu, dem Franz-Hessel-Preis und dem Prix Goncourt ausgezeichnet.

Nicola Denis, 1972 in Celle geboren, lebt als Literaturübersetzerin und Autorin im Westen Frankreichs. Für Matthes & Seitz Berlin übersetzte sie u. a. Werke von Alexandre Dumas, Honoré de Balzac, Éric Vuillard und Vinciane Despret. 2021 erhielt sie den renommierten Prix Lémanique de la traduction, 2023 den Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis. 2022 erschien ihr literarisches Debüt »Die Tanten«.


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LovelyBooks-BewertungVon HansDurrer am 19.10.2024
Ich kann mich nicht erinnern, jemals so spannend, erhellend und überzeugend über geschichtliche Vorgänge gelesen zu haben. Es geschieht ausgesprochen selten, dass mich ein Buch überrascht. Viele unterhalten mich, einige lehren mich etwas, nicht wenige hätte ich nicht zu lesen gebraucht. Die Tagesordnung gehört zu einer ganz anderen Kategorie, dieses Buch lässt mich die Welt neu sehen.Éric Vuillard, 1968 in Lyon geboren, erzählt in seinen Büchern grosse Momente der Geschichte neu und hat damit so recht eigentlich ein neues Genre begründet. In Die Tagesordnung berichtet er vom 20. Februar 1933, als sich auf Einladung des Reichsministers Hermann Göring 24 hochrangige Vertreter der Industrie mit Adolf Hitler treffen. Die Nazis brauchen Geld und die Industrie liefert. "Im Budget grosser Unternehmen ist die Korruption ein unumgänglicher Posten mit unterschiedlichen Namen: Lobbying, Gratifikation, Parteienfinanzierung."Journalismus und Geschichtsschreibung erzählen üblicherweise Geschichten von sogenannt wichtigen Akteuren, geben diesen eine Bedeutung, die sie selten haben und betreiben dabei oftmals Heldenverehrung. Éric Vuillard tut etwas ganz anderes - er zeigt auf, dass die 24 hochrangigen Industrievertreter nicht als Individuen von Bedeutung sind (denn diese sind, wie wir alle, sterblich), sondern als Dinge. "Sie sind unsere Autos, unsere Waschmaschinen, unsere Reinigungsmittel, unsere Radiowecker, unsere Hausversicherung und die Batterie in unserer Uhr." Sie heissen BASF, Bayer, Agfa, Opel, I.G. Farben, Siemens, Allianz, Telefunken. Und sie sind juristische Personen. "Ein Unternehmen ist eine Person, der alles Blut zu Kopf steigt. Eine sogenannte juristische Person. Ihr Leben währt deutlich länger als unseres."Nachdem die Nazis den Industrie- und Bankenklerus bekehrt und die Opponenten zum Schweigen gebracht hatten, galt es die ausländischen Mächte zu besänftigen. Wie das Appeasement vonstatten ging, zeigt Éric Vuillard am Treffen von Göring und Halifax auf, beide auf ihre jeweils eigene Art verblendet und gestört. Und es sind nicht zuletzt diese Persönlichkeitsschilderungen, die diesen Text so überzeugend machen, denn da versteht einer, wie ungesund und egomanisch die Seelen von Machthungrigen funktionieren.So sehr Die Tagesordnung ein geschichtliches Werk ist, ich fühlte mich ständig auch an die heutige Zeit erinnert. Ein Haufen aus Schurken und Verbrechern, sei die Nazi-Partei gewesen - und die sehe ich auch heute in der Politik am Werk. Aussenminister Ribbentrop habe den Führer stets "zu den gewagtesten Aktionen" ermutigt, "indem er seinen grössenwahnsinnigen und brutalen Neigungen schmeichelte." Ganz automatisch springen meine Gedanken zu Diktatoren generell, die es deshalb gibt, weil der Mensch Gehorsam zu den Tugenden zählt.Indem sich Éric Vuillard auf eine kurze Zeitspanne im Februar und März 1933 konzentriert, genau hinschaut und die Komplexität des Geschehens anhand von Details aufzeigt, gelingt ihm ein Buch, das weit über die geschilderten Ereignisse hinausreicht und Allgemeingültiges erfahrbar macht. "Das Hirn ist ein sonderbares Organ. Die Augen verraten keine Gedanken, die feinste Mimik ist für andere unlesbar; so als wäre der ganze Körper ein Gedicht, von dem wir brennen, von dem unsere Nachbarn jedoch kein Wort verstehen."Besonders beeindruckend an diesem dünnen Band sind die quasi ewigen Wahrheiten, die die von Menschen gemachte Wirklichkeit durchziehen. Und vor allem diese: "Die Welt gehorcht dem Bluff. Selbst die seriöseste, steifste Welt, selbst die alte Ordnung, die sich niemals dem Anspruch der Gerechtigkeit beugt oder vor dem aufständischen Volk einknickt: Sie tut es vor dem Bluff."Ich kann mich nicht erinnern, jemals so spannend, erhellend und überzeugend über geschichtliche Vorgänge gelesen zu haben. Die Tagesordnung ist ein wahres Wunderwerk!
LovelyBooks-BewertungVon dunkelbuch am 08.06.2024
Ein sehr ungewöhnliches Büchlein über die Nazidiktatur. Zeitraum 1933-38 Eingangs schwadroniert der Autor über das berühmte Geheimtreffen Adolf Hitlers am 20. Februar 1933 mit den deutschen Wirtschaftsbossen in Berlin.Mehr als ausgiebig widmet sich Vuillard den verstorbenen Managern, die jedoch in BASF, Bayer, Agfa, Opel, IG Farben, Siemens, Allianz, Telefunken weiterleben.Überzogene, skurrile Momente. Eine etwas andere Chronik der Geschichte.
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