In ihrem jüngsten Werk stellt uns die Autorin Rebecca Michéle eine außergewöhnliche Frau vor, die leider in Vergessenheit geraten ist. Maria Gräfin von Linden lebte von 1869 bis 1936. Sie war die erste deutsche Frau, die einen Professorentitel erhielt. In ihrem Roman verwebt Rebecca Michéle geschickt Wahrheit mit Fiktion und bringt so ihrer Leserschaft diese selbstbewusste und kluge Frau näher.
Zu Beginn schildert die Autorin die Kindheit Marias. Schon als Sechsjährige liebt sie die Natur und sammelt Steine und Insekten. Für Handarbeiten und Puppen interessiert sie sich dagegen gar nicht. Sie wächst behütet als jüngste Tochter der Grafen von Linden auf Schloss Burgberg in Württemberg auf. Im Alter von 14 Jahren darf sie ein Pensionat, wo sie einige Freundinnen findet, besuchen. Ihre Mutter unterstützt sie in ihren Bestrebungen. Nach Beendigung des Pensionats steht ihr Entschluss fest, das Abitur abzulegen und zu studieren. Aber das war Ende des 19. Jahrhunderts für eine Frau in Deutschland nahezu unmöglich. Maria lässt sich aber nicht beirren und verfolgt ihr Ziel mit eisernem Willen.
Es ist eine Kunst, Biografien unterhaltsam und doch faktisch korrekt zu schreiben. Diese Kunst beherrscht Rebecca Michéle meisterhaft. Man merkt ihrem Roman die akribische Recherche an. Selbstverständlich hat sie einige fiktive Elemente eingefügt, damit die Geschichte spannend bleibt. Obwohl ich aus der Inhaltsangabe wusste, dass Maria ihre Ziele alle erreicht hat, war die Lektüre für mich fesselnd und sehr unterhaltsam. Maria Gräfin von Linden hat sehr viel für die Wissenschaft und die Frauen geleistet. An einigen Stellen des Romans konnte ich nur ungläubig den Kopf schütteln, wie Frauen im 19. Jahrhundert behandelt wurden.