Mit diesem Roman beweist Manuela Schörghofer erneut, warum sie zu den großen Stimmen des historischen Krimis zählt. Die Geschichte entfaltet sich vor der eindrucksvoll düsteren Kulisse des Allgäus im Jahr 1376 und zieht einen von der ersten Szene an in ihren Bann. Das ausgebrannte Kloster Weißenfels, rußgeschwärzt und voller Geheimnisse, ist ein ebenso atmosphärischer wie symbolträchtiger Schauplatz für einen Mord, dessen Wurzeln tiefer reichen, als zunächst vermutet.Besonders gelungen ist die Figur der Isabella Falk. Sie ist keine klassische Heldin, sondern eine Frau, die aus Pflichtgefühl und Loyalität heraus in eine Rolle gedrängt wird, die für eine Frau ihrer Zeit alles andere als selbstverständlich ist. Ihre Entschlossenheit, den Mord an dem Freund ihres Mannes aufzuklären, wirkt glaubwürdig und berührend zugleich. An ihrer Seite überzeugt der charismatische Gerichtsschreiber Leonhard, dessen kluger Verstand und feines Gespür für menschliche Abgründe eine spannende Dynamik zwischen den beiden entstehen lassen - getragen von subtiler Leidenschaft, die nie den Krimiplot überlagert.Die Autorin versteht es meisterhaft, historische Details mit einer dichten Krimihandlung zu verweben. Intrigen, Machtmissbrauch und Verrat fügen sich zu einem Netz, das sich immer enger um die Protagonisten zieht und die Spannung konstant hochhält. Dabei bleibt das Mittelalter nicht bloße Kulisse, sondern prägt Denken, Handeln und die Gefahren, denen Isabella ausgesetzt ist.Ein packender, sorgfältig recherchierter Roman, der sowohl Krimifans als auch Liebhaber historischer Stoffe begeistert. Düster, klug konstruiert und voller Herz - ein Buch, das man nur ungern aus der Hand legt.