Atmosphärisch und bis zum Schluss spannend geschrieben. Aber es lässt mich ratlos zurück, da keine richtige Auflösung.
2024 war Markus Thielemann mit "Von Norden rollt ein Donner" für den Deutschen Buchpreis nominiert. Der Verlag bewirbt das Buch als ein Anti-Heimatroman, das hinter die Fassade einer ländlichen Idylle blickt und aktueller nicht sein könnte.Anfänglich geht es in diesem Roman, um ein Thema, dass viele spaltet: Der Wolf ist zurück in der Lüneburger Heide. Wie geht man damit um? Wo es vordergründig um Wolfspolitik geht, wird schnell klar, dass es darunter brodelt. Es geht um Hass, völkische Ideologien, Selbstjustiz und Verschweigen von Kriegsgeschehnissen in dieser Region und vielem mehr.Hier mittendrin, der 19jährige Jannes, der wie sein Vater und Großvater, Schäfer ist. Wir lernen das harte und echte Leben einer Schäfersfamilie auf der Lüneberger Heide kennen. Hierbei stellt Jannes mit seinen 19 Jahren für mich ein verbindendes Glied zwischen dem traditionell-strengen Großvater und den nach Modernisierung strebenden Vater dar. Jannes redet nicht viel, aber beobachtet genau und handelt pflichtbewusst. Für einen 19jährigen wirkt er sehr besonnen und vernünftig. Ganz selten bricht er aus diesem verantwortungsvollen Bereich heraus. Es sei denn, bei seinen sehr seltenen Treffen mit seinen Freunden.Von Anfang an spürt man als Leser diese Unruhe, die die Rückkehr des Wolfes bei den Viehbetreibern auslöst. Diese unterschwellige Gefahr, die vom Wolf ausgeht, schwingt immer wieder mit. Schnell wird klar, dass es allerdings nicht nur der Wolf ist, der für Unruhe sorgt, sondern dass um den Wolf herum, vieles nicht stimmt. Es ist faszinierend, wie es dem Autor gelingt, diese Spannung bis zum Schluss zu halten. Dabei schreibt er nicht einmal besonders reißerisch, sondern ganz leise und unaufgeregt. Es ist dieses unausgesprochene, was er geschickt im Text einfließen lässt, dass einen Leser bis zum Schluss fesselt. Man will wissen, was passiert ist und was noch kommt.Viele Themen werden - ausgehend von der Wolfsgeschichte - angerissen. Aber leider werden diese nicht klar behandelt. Der Autor bleibt an der Oberfläche. Auch die gespenstischen Begegnungen waren einerseits sehr spannend und mystisch, aber ließen mich leider am Ende etwas ratlos zurück. Denn auch hier bekam ich keine klare Antwort. Hier hätte ich mir mehr Aufklärung zur düsteren Ortgeschichte gewünscht, statt Geister.Fazit:Am Ende kann ich nicht richtig sagen, was dieses Buch mir/uns sagen will und lässt mich irgendwie ratlos zurück. Es ist sprachlich und inhaltlich spannend gemacht, aber letztendlich bleiben die angesprochenen Themen ungelöst zurück. Mit der Wolfpolitik, völkischen Entwicklung, Kontrollverlust durch Krankheit und Alter innerhalb der Familie und Kriegsgeschichte werden viel zu viele wichtige Themen angerissen, aber nicht bis in die Tiefe behandelt, geschweige denn geklärt.