Die Zwangsjacke, im Original The Star Rover (1915), verbindet Gefängnisroman, metaphysische Vision und sozialkritische Anklage. Der zum Tode verurteilte Professor Darrell Standing erträgt in San Quentin die Folter der Zwangsjacke, indem er seinen Körper verlässt und frühere Existenzen durchwandert. Londons nüchterne, zugleich halluzinatorisch gesteigerte Prosa verschränkt naturalistische Härte mit spekulativer Fantastik und stellt Fragen nach Identität, Erinnerung, Gewalt und staatlicher Macht im Kontext moderner Strafdisziplinierung. Jack London, 1876 in San Francisco geboren, kannte Armut, harte Arbeit, Abenteuer und institutionelle Brutalität aus eigener Erfahrung. Als Seemann, Goldsucher, Sozialist und Chronist der amerikanischen Moderne interessierte ihn das Grenzgebiet zwischen Überlebenstrieb und gesellschaftlicher Ordnung. Seine Beschäftigung mit Gefängnisreformen, insbesondere Berichte über Folterpraktiken in Kalifornien, lieferte den realistischen Impuls; seine Lektüren zu Evolution, Mystik und Wiedergeburt öffneten den imaginativen Horizont des Romans. Empfohlen sei dieses Buch Lesern, die London nicht nur als Autor von Abenteuer- und Tiergeschichten kennen möchten, sondern als radikalen Analytiker menschlicher Widerstandskraft. Die Zwangsjacke ist verstörend, philosophisch kühn und erzählerisch ungewöhnlich: ein Werk, das politische Empörung in visionäre Form verwandelt und noch heute zur Diskussion über Strafjustiz, Körper, Bewusstsein und Freiheit herausfordert.