Jan Beck - "Dorn: Ruf der Toten" (2026, Penguin)Wenn man ein Buch zwei Tage lang nicht aus der Hand legen kann, sagt das eigentlich schon alles, oder?Der Einstieg ist sehr gut und packend - auch ohne Vorkenntnisse zu Simon Dorn. Mehrere Figuren werden schnell eingeführt:<br data-start="376" data-end="379">Da ist der Arzt Michael Bergmann, der Rückgrat zeigt, als er seinen Oberarzt auf einen folgenschweren Fehler hinweist - und dafür entführt wird. Da ist Simon Dorn, geplagt von Geldproblemen, der eine Überweisung erhält, die all seine Sorgen auf einen Schlag beseitigt. Die Bedingung: ein Therapiegespräch über Gewalt, geführt per Telegram. Klingt einfach. Zu einfach?<br data-start="746" data-end="749">Und dann ist da noch Ermittlerin Lea Wagner, deren Bruder offenbar ebenfalls in Gefahr schwebt.Der Einstieg ist zügig, die Perspektivwechsel sind überschaubar und klar gesetzt. Später kommen weitere Perspektiven hinzu, die Kapitel bleiben aber angenehm kurz. Jede Perspektive ist klar gekennzeichnet, inklusive Ort, was enorm zur Orientierung beiträgt. Die Geschichte verzettelt sich nicht in Nebenschauplätzen, sondern bleibt stringent. Man liest los - und wundert sich plötzlich, dass man schon auf Seite 150 angekommen ist. Das sachlich-pragmatische Erzählen zieht einen regelrecht hinein.Simon Dorn als Hauptfigur hat mir zunächst nicht besonders gefallen, er war mir eher unsympathisch. Die anderen Figuren mochte ich deutlich lieber. Trotzdem sind alle Figuren realistisch gezeichnet, mit Ecken und Kanten, und genau das funktioniert für mich gut. Außerdem hat Dorn einen Hund - das macht ihn zumindest ein kleines bisschen sympathischer.Neben der Entführung ereignet sich relativ früh auch ein Mordfall, der zunehmend in den Mittelpunkt rückt. Thematisch geht es unter anderem um KI, Identitätsdiebstahl und Manipulation. Der Fall führt schließlich zu einem Zimmer im sogenannten Dornwald - Zimmer 203 -, in dem Dorn Cold Cases sammelt und realistisch nachstellt. Ein Serienmörder ließ seine Opfer einst verdursten. Jetzt ist sein Spiel noch perfider.Zum Ende hin wird der Thriller immer rasanter. Die Kürze der Kapitel lässt kaum Zeit zum Durchatmen. Man hat ständig eine Ahnung, was passieren könnte - doch das nimmt der Spannung nichts. Am Ende folgt eine Auflösung, die das Geschehen wieder etwas beruhigt, gleichzeitig aber deutlich macht, dass es noch einen weiteren Band geben wird. Man kann diesen Roman trotzdem sehr gut als Einzelband lesen.Für mich ist "Dorn: Ruf der Toten" auf jeden Fall 4,5 von 5 Sternen wert. Ich mag den Erzählstil von Jan Beck sehr, sehr gerne - klar, schnörkellos, extrem packend. Mit Sicherheit nicht mein letzter Beck und ganz sicher nicht mein letzter Dorn.