Vorweg: Dies ist eine etwas ausschweifende, sehr allgemeine Rezension."Mädchen sind eine uneinnehmbare Festung der Ungewissheit"Seit jeher (will heißen, seit ich kann) Liebe ich die Literatur. Ich "erachte die Lektüre als eine der Formen der Glückseligkeit", wie Borges es sagte. Allerdings habe ich es nie über Herz gebracht mich auf eine Gattung der Literatur zu beschränken.So habe ich im Lauf der Jahre großartige Sach- und Fachbücher ( Das Heilige und das Profane , Wieviel Wahrheit braucht der Mensch? Über das Denkbare und das Lebbare ), wunderbare Essayistik ("Die Kunst des Hungers", "Fragen der Zeit", Inquisitionen ), tolle Romane (vor allem von John Irving, Philip Roth, Albert Camus, Heinrich Böll, etc., etc.), tolle Fantasy und Sci-Fi Bücher (Robin Hobb, Timothy Zahn), fantastische Erzählungen ( Die Nacht auf dem Rücken , "Die Geschichte vom Leopardenmann") und schöne Gedichte ( Das Stundenbuch , "Schatten und Tiger", "Gedichte von Else Lasker-Schüler") gelesen. Und ja, nicht zuletzt auch zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Und durch diese bin ich dem Leben näher gekommen, als durch viele andere Bücher.Es gibt tolle Kinderbücher. Roald Dahl hat einige geschrieben, Michael Ende zwei der wichtigsten, Astrid Lindgren ein paar der vollkommensten und auch Hans Baumann hat schöne geschrieben; nicht zu vergessen Cornelia Funke oder J.R.R. Tolkien, der mit einem der besten Bücher überhaupt (Der Hobbit) aufwarten kann.Es mag stimmen, dass ein Kinderbuch selten ein Klassiker ist, aber auch unter ihnen gibt es zahllose unverwechselbare und einzigartige Erlebnisse und Eindrücke zu entdecken, auch für Erwachsene.Das Jugendbuch wiederum ist eine Gattung, die schwerer zu durchleuchten ist. Dieser Teil unseres Lebens, die Jugend, ist gleichsam die größte Wandlung in unserem Dasein (noch stärker durch den Kult der sich darum entwickelt hat), aber es ist auch die Phase, wo wir am wenigsten konstant wir selbst zu seinen scheinen; eine Phase, wo wir viel mehr und viel weniger als wir selbst sind; mancher mag behaupten von dieser großen Verwirrung erholen wir uns nie. Aber viele sagen auch, dass die Jugend nun mal vorbei ist, wenn sie vorbei ist.John Green ist ein geistreicher, ein guter und zugleich ein wunderbar pflichtvergessener Autor, was sein Genre angeht. Schon sein Debüt Eine wie Alaska ist ein ganz erstaunliches Buch, ein Jugendbuch und doch ein Buch was über diese Gattung hinauswächst.Dagegen ist "Die erste Liebe" eher ein Buch, das in sich hineinwächst. Doch deswegen nicht umso eindringlicher und ungleich schön-unvollkommener.."Man kann jemanden noch so lieben. Doch man liebt ihn nie so stark, wie man ihn später vermisst."Jugendbücher zeigen uns die Wahrheiten unserer Haut und nicht unserer Welt, doch jene sind nicht weniger wichtig als letztere. Und sie lassen uns nicht damit allein. Wer ein paar gute Jugendbücher gelesen hat, wird feststellen, dass sie zwar nicht immer Stoff zum (Weiter-)Denken, aber oftmals viel Stoff zum Erinnern und Verstehen bieten. Und wer viel denkt, aber nie versteht oder erinnert, den würde ich (ich allein vielleicht) als arm bezeichnen. Denn wer nicht die Geschichten liest, die nicht durch das Abstrakte gegangen sind, Geschichten also, die das Leben noch vor sich haben, wie wir, im echten leben, jeden Tag, mag sich manchmal noch verloren fühlen, wo er es nicht mehr müsste."Und die Moral der Geschichte ist, man erinnert sich nicht an das, was geschehen ist. Woran man sich erinnert, wird zu dem, was geschehen ist."Dies Buch, das eine Mischung aus Roadmovie, amerikanischer Freeland-Atmosphären-Party und Philosophiestunde ist, bringt einem auf kleinstem Raum ein paar Kleinigkeiten nah, nicht mehr und nicht weniger. Ich kann es nur empfehlen und empfehlen auch andere Jugendbücher zu lesen (z.B.: "Die Nackten"). Auch der in diesem Buch erwähnte und von mir verehrte J.D. Salinger hat mit dem "Fänger im Roggen" ein Werk verfasst, welches, wenn auch virtuos und überragend, in diese Gattung gehört.Wer mit Büchern durch das Leben gehen will, lese Kinderbücher für Herz und Moral, Jugendbücher für Haut und Gefühl und alles andere hauptsächlich für Kopf und Denken (und natürlich auch manches Mal für das Gefühl).