Ein Krimi, der nachhallt mit historischer Tiefe, Spannung und Gänsehautmomenten!
Mit Der letzte Tod entführt Alex Beer ihre LeserInnen erneut in das Wien der Zwischenkriegszeit. Der fünfte Band der August-Emmerich-Reihe spielt im Herbst 1922, einer Zeit, die von politischen Unruhen, Protesten, Teuerungen, antisemitischen Ausschreitungen und dem Wunsch nach gesellschaftlicher Veränderung geprägt ist. Besonders spannend ist dabei, wie Beer historische Entwicklungen in die Handlung einbettet: das Aufkommen der Psychoanalyse in der Kriminalarbeit, die zunehmende Notwendigkeit internationaler polizeilicher Zusammenarbeit und damit auch die historischen Vorläufer der späteren Interpol bilden zentrale Elemente dieses Kriminalromans.Der Fall beginnt mit einem erschreckenden Fund: Im Stromhafen wird eine Leiche in einem Tresor entdeckt. Was zunächst wie ein einzelnes Verbrechen wirkt, entwickelt sich zu einer Ermittlung, die vergangene und aktuelle Mordfälle an verschiedenen Orten an der Donau miteinander verbindet.August Emmerich ist dabei ganz der Ermittler, wie man ihn kennt und liebt: schlagfertig, schonungslos, eigensinnig und mit seinem unverwechselbaren Wiener Schmäh. Seine direkte Art sorgt immer wieder für trockenen Humor und pointierte Dialoge. Ferdinand Winter wirkt selbstständiger, sicherer und übernimmt zunehmend Eigenschaften von Emmerich, was sehr überrascht und beeindruckt. Besonders gelungen ist auch die Einführung neuer Charaktere: Der Psychoanalytiker Sándor Adler bringt frischen Wind in die Polizeiarbeit, während der ungarische Polizist Tamás Békessy eine interessante internationale Perspektive eröffnet. Gleichzeitig kehren vertraute Figuren wie Polizeipräsident Johann Schober, Irina Novotny, die Kinder, Xaver Koch und natürlich die "Hühnerarmee" zurück.Die Qualität von Alex Beers Büchern bleibt jedem weiteren Band konstant und sie werden mir nie langweilig. Auch in diesem Band gelingt es ihr, neue Impulse zu setzen und gleichzeitig frühere Handlungsstränge wieder aufzugreifen, weiterzuentwickeln und teilweise aufzulösen. Besonders hervorzuheben ist ihre gründliche historische Recherche. Alte Zeitungen, zeitgenössische Literatur und reale historische Entwicklungen fließen in die Handlung ein und verleihen dem Roman Tiefe und Authentizität. Dadurch ist Der letzte Tod nicht nur spannend, sondern auch lehrreich.Alex Beers Schreibstil ist atmosphärisch, bildhaft und stellenweise düster. Sie beschreibt den Zeitgeist der 1920er-Jahre mit einer solchen Genauigkeit, dass man sich in die Epoche hineinversetzt fühlt. Gleichzeitig schafft sie es, trotz der düsteren Themen immer wieder Humor, Menschlichkeit und emotionale Momente einzubauen.(Achtung Spoiler)Besonders berührt haben mich die persönlichen Einblicke in Emmerichs Leben. Die Begegnung mit seinem Vater zeigt eine neue Verletzlichkeit und Vielschichtigkeit dieser Figur. Auch die letzten Worte eines Sterbenden über die idyllischen Glühwürmchen waren unglaublich traurig und haben lange nachgewirkt. Genau diese Mischung aus Spannung, Gänsehaut, historischer Tiefe, trockenem Witz und berührenden Momenten macht die Reihe für mich so besonders.Ich würde mir ein eigenes Ferdinand-Winter-Spin-off wünschen. Er hat enormes Potenzial, und es wäre spannend zu sehen, wie er sich entwickeln würde, wenn er eines Tages in Emmerichs Fußstapfen tritt ¿ sollte er irgendwann in den wohlverdienten Ruhestand gehen.Der letzte Tod ist ein weiterer starker Band einer konstant hochwertigen Krimireihe. Ein Krimi, der nachhallt. Für Fans von August Emmerich ist dieses Buch ein Muss.