"Love, Theoretically" ist für mich ein bisschen wie das Craving nach McDonald's. Es macht Spaß, man bekommt, was man will, aber es ist jetzt auch keine kulinarische Neuerfahrung, und die sollte man auch nicht erwarten.Ich habe das Buch auf Englisch gelesen, weil ich sicherstellen wollte, dass bei der Übersetzung ins Deutsche keine Wortwitze verloren gehen (davon abgesehen lese ich "Spice" lieber auf Englisch). Enttäuscht wurde ich auf jeden Fall nicht. Wenn man Ali Hazelwood etwas lassen muss, dann, dass sie sehr kreative und schlagfertige Dialoge schreibt und die abgedrehtesten Metaphern kreiert (immer schön wissenschaftlich, natürlich...). Das hatte für mich etwas sehr Charmantes und Erfrischendes und zog sich auch wirklich von Anfang bis Ende.Elsies Charakter war mir zwar sympathisch durch ihre quirlige und humorvolle Art, aber ihr Konzept war etwas halbgar. Sie lügt bei Kleinigkeiten, aber ihre Gedankenwelt reflektiert diese Unsicherheit vor Ablehnung für mich nicht. Angeblich ist sie für den Hausfrieden verantwortlich, damit ihre Brüder sich nicht die Birne einschlagen, aber sie führt im gesamten Buch kein einziges Gespräch mit ihnen und auch sonst spielt ihre Familie keine Rolle - dabei hatte der Konflikt Potenzial imo.Der Grund der Rivalität der beiden MCs war unterhaltsam, aber natürlich auch künstlich. Das Pacing in der Beziehung mochte ich, auch wenn das erste Drittel daraus besteht, dass Jack Elsie anstarrt und versucht, ihre Gedanken zu lesen. Bei der fünften wiederholten Beobachtung von Elsie, wie MUSKULÖS und GROSS Jack ist, habe ich mich etwas wie ein Teenager auf Wattpad gefühlt und war etwas gelangweilt, aber ich hab's trotzdem mit Humor genommen. (Diese Muskeln sind natürlich auch kein Resultat eines obsessiven Gym-Bros, der sieben Tage die Woche pumpt und nur Hähnchen und Reis isst, sondern durch casual Squash-Sport entstanden...i wish Ali, i wish...)Bei Jack hakt man die 0815-Book-Boyfriend-Liste ab: Er ist da ruppig, wo es attraktiv ist, hat einen stählernen Körper, ohne dafür zu arbeiten, sagt immer genau das, was die Protagonistin gern hören will, und hat seine Antennen immer bei ihren Bedürfnissen. Er hat 1:1 ihren Humor, Geld und Intelligenz. Ah, und die einzige Schwäche, die er aufweisen kann, ist die Tatsache, dass er Probleme hat, zu vertrauen (außer natürlich Elsie, obwohl er sie direkt als Lügnerin enttarnt. Sounds about right.) Aber ehrlich? Mein guilty pleasure hat er befriedigt, und wer ein Buch wie "Love, Theoretically" anpackt, der erwartet wahrscheinlich auch genau das.Auch wenn ich bekommen habe, was ich wollte, nerven mich Plotholes und Plot-Convenience wirklich sehr und holen mich raus, wenn ich mich fallen lassen will. Insgesamt hatte ich aber Spaß beim Lesen und mein Augenrollen war meist eher amüsiert. Ich würde die Story jedem empfehlen, der einfach ein bisschen Trivialliteratur will - damit ist definitiv nichts verkehrt, und Ali Hazelwood versteht es auch, Klischees humorvoll zu verpacken.