Mit Hilfe eines Abkömmlings der Mayfair-Hexenlinie will Louis de Pointe du Lac Frieden mit der verstorbenen Claudia schließen.
Ein Vierteljahrhundert nach dem grausamen Tod des Kindfrauvampirs Claudia gibt sich Louis de Pointe du Lac noch immer die Schuld daran. Während Lestat in einem tiefen Koma liegt, tritt Louis an seinen - mittlerweile ebenfalls zu einem Vampir gewordenen - Freund David Talbot heran, der seinen Schützling Merrick Mayfair dazu bringen soll, den Geist von Claudia mittels ihrer Voodoo-Künste heraufzubeschwören, damit Louis sie um Vergebung bitten und so seinen inneren Frieden finden kann. Merrick ist eine junge Frau mit einem Achtelanteil afrikanischer Vorfahren in ihrem Blut und immensen übernatürlichen Fähigkeiten und willens, Louis seinen Wunsch zu erfüllen... doch sie fordert dafür einen Preis von ihm, den David Talbot nicht bereit zu zahlen war.Die "Königin der Vampire" Anne Rice (1941-2021) kehrt mit diesem 7. Roman der "Vampirchroniken" zurück zu ihrer alten Stärke. Der Roman erschien 2000 nach einer für sie schweren Zeit, in welcher sie mit Diabetes zu kämpfen hatte. In den Jahren 1998/99, wo sie zeitweise in ein diabetisches Koma gefallen war, entstanden die in meinen Augen misslungenen "neuen Chroniken der Vampire": "Pandora" und "Vittorio"... in diesen Werken lähmten und langweilten die religiösen Exkurse der Schriftstellerin. Bei diesem Roman ist davon glücklicherweise nichts zu finden. Rice erzählt gewohnt opulent und ausufernd eine dichte Geschichte über die junge mächtige Hexe Merrick und ihrer Verstrickung mit David Talbot und der Geheimorganisation Talamasca. Es ist der erste Roman, der ihre Welten der Vampire und Hexen zusammenführt. Von Kritik und Lesern mit gemischten Gefühlen aufgenommen empfinde ich den Roman, der in New Orleans und im südamerikanischen Dschungel spielt, als eine willkommene Erinnerung an die ersten Chroniken mit Sogwirkung. Die intensiven Figuren Lestat und Claudia nehmen verhältnismäßig wenig Platz in diesem Roman ein, doch dafür offeriert Rice einen Einblick in die Mechanismen der Geheimorganisation sowie in die Gefühlswelt des David Talbot, der seit seinem Auftauchen in "Königin der Verdammten" ein Favorit von mir ist. Dieser Roman hat mein Vertrauen und die Hoffnung in Rice's solides Handwerk wiederhergestellt und ich hoffe, dass eine weitere Festigung mit dem nächsten Roman "Blut und Gold" folgen wird.