Wie bekommt man doch noch die Kurve
Nicht nur Roadtrip quer durch die USA bis nach Mexiko hinüber, sondern auch ein Trip durch das Seelenleben eines Heranwachsenden, der sich nichts sehnlicher wünscht, als seinen leiblichen Vater kennenzulernen - verbunden mit der Chance, dass sich hierdurch sein Leben grundsätzlich ändern könnte. Denn dieses scheint bereits in jungen Jahren (kaum 18 Jahre alt) eine desaströse Richtung eingenommen zu haben. Die Mutter krank, der Schulabschluss gefährdet, die Zukunft mehr als ungewiss. Ein Ereignis bietet die notwendige Sprengkraft, um dem eigenen Leben eine bessere Zukunft zu geben. Es trifft sich gut, dass er dabei auf seinen besten Freund, ein wenig schräg, dafür hoch begabt und mit wohlhabenden Eltern gesegnet, sowie eine erst kürzlich kennengelernte junge Frau, mit einer ebenfalls nicht einfachen Geschichte, diese waghalsige Reise unternehmen kann.Das klingt erst einmal nach einem gewöhnlichen Roman, in denen ein paar Dinge passieren, die so oder so ausgehen können, bei dem aber schlussendlich ein gutes Ende vorprogrammiert ist. Beim Lesen dieses Romans wünscht man sich sogar gelegentlich, dass diese Geschichte gut ausgehen möge, denn zu sehr wachsen einen die Romanfiguren "ans Herz". Im besten oder schönsten Fall fühlt man sich an eigene Entwicklungen und Ereignisse erinnert, schaut zurück auf eine Zeit, in der die Welt noch zig Möglichkeiten bereithielt, wenn man nur den Mut hatte (gehabt hätte), sich dieser Möglichkeiten zu bedienen. An Mut fehlt es den Dreien nicht. Aber da ihre (kurzen) Lebensgeschichten alle mit einem gewissen Handicap verbunden sind, oder gleich mit mehreren, wie bei der Hauptfigur des Romans.Allerdings gibt es Episoden oder Räume, in denen die Unterschiede aufgehoben scheinen. Sei es in einer Psychiatrie, in der die Mutter von Francis mit einer schizoaffektiven bipolaren Störung liegt, einer Parallelwelt in der die Unterschiede, welcher Art auch immer verschwinden; die Krankheit bestimmt das Leben. Oder sei es an einem Spieltisch in Las Vegas an dem die Kugel rollt und ein Ziel ansteuert, unbeeinflusst von Macht oder Ohnmacht, Reichtum oder Armut der einzelnen Mitspieler. Zum Schluss dieses Buches entscheidet sich die Zukunft von Francis tatsächlich an einem Spieltisch - und wird hier geradezu grandios wiedergegeben. Das ist Spannung pur - aber auch Leiden pur ...Denn wann setzt man alles auf eine Karte? Genau, wenn man verliebt ist. Und diese Liebe zeigt sich hier in den unterschiedlichsten Facetten. Es ist ein Buch, das tief berührt ...