Bram Stokers "Dracula" (1897) ist ein Schlüsselwerk der Schauerliteratur und zugleich ein vielstimmiger Briefroman, der Tagebücher, Telegramme, Zeitungsnotizen und Phonographenaufzeichnungen zu einer dokumentarisch wirkenden Erzählform verbindet. Im Zentrum steht der transsylvanische Graf Dracula, dessen Eindringen in das viktorianische England Ängste vor Krankheit, Sexualität, Fremdheit und dem Zerfall rationaler Ordnung bündelt. Stokers Stil verbindet melodramatische Spannung mit moderner Medientechnik und stellt gotische Traditionen in einen zeitgenössischen wissenschaftlichen Kontext. Bram Stoker, 1847 in Dublin geboren, war Theatermanager, Kritiker und enger Mitarbeiter des Schauspielers Henry Irving. Seine irische Herkunft, seine Kenntnis der Londoner Bühnenwelt und sein Interesse an Folklore, Hypnose, Medizin und den Debatten des Fin de Siècle prägten die Entstehung des Romans. "Dracula" schöpft aus osteuropäischen Vampirlegenden, viktorianischen Moralvorstellungen und der Faszination für Grenzbereiche zwischen Wissenschaft und Aberglauben. Dieses Buch empfiehlt sich allen Leserinnen und Lesern, die literarische Spannung mit kulturhistorischer Tiefe verbinden möchten. "Dracula" ist nicht nur Ursprung zahlreicher moderner Vampirmythen, sondern auch eine präzise Studie über Angst, Begehren und gesellschaftliche Selbstbehauptung. Wer den Gothic Novel in seiner wirkmächtigsten Form kennenlernen will, findet hier ein unverzichtbares Meisterwerk.