1594 wird auf den Orkney-Inseln Alison Balfour der Prozess wegen angeblicher Hexerei gemacht. Was folgt, ist eines der dunkelsten Kapitel der schottischen Geschichte: Folter, erzwungene Geständnisse und schließlich die Verurteilung zum Tod auf dem Scheiterhaufen.
Über 400 Jahre später, im Jahr 2024, erschüttert ein rätselhafter Vorfall dieselben Inseln. Erin wird mit schwersten Verbrennungen am Strand gefunden und liegt im Koma. Ihr Freund ist tot, ihre beste Freundin verschwunden und niemand weiß, was in jener Nacht wirklich geschehen ist. Als Erin schließlich erwacht, erkennt sie ihre Mutter Clem nicht mehr und behauptet, Nyx zu sein. Während Clem gemeinsam mit Erins Vater verzweifelt versucht, die Wahrheit herauszufinden, scheinen sich Vergangenheit und Gegenwart auf unheimliche Weise miteinander zu verweben. Schon bald wird deutlich, dass das Schicksal von Alison und Erin enger miteinander verbunden ist, als zunächst zu vermuten wäre.
Mit "The Book of Witching" verbindet C.J. Cooke historische Ereignisse mit Mystery, düsterem Familiendrama und einer fesselnden Geschichte über Schuld, Angst und die Schatten der Vergangenheit.
Schon nach wenigen Seiten war ich vollkommen in der Geschichte gefangen. C.J. Cooke versteht es hervorragend, Spannung aufzubauen und diese über die gesamte Handlung hinweg aufrechtzuerhalten. Besonders die wechselnden Zeitstränge haben mir unglaublich gut gefallen. Sie sorgen für eine ständige Dynamik und werfen immer wieder neue Fragen auf, sodass man das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Mit jedem Kapitel erhält man kleine Puzzleteile, doch das Gesamtbild bleibt lange verborgen. Gerade dieses stetige Rätseln darüber, wie alles zusammenhängt, macht die Geschichte so fesselnd.
Die Atmosphäre ist dabei ein echtes Highlight. Die Autorin erschafft eine mystische, düstere und geheimnisvolle Stimmung, die perfekt zu den rauen Orkney-Inseln passt. Gleichzeitig liegt über der gesamten Handlung etwas Beklemmendes und Erdrückendes, das sich beim Lesen förmlich auf den Leser überträgt. Immer wieder hatte ich das Gefühl, dass sich hinter jeder neuen Erkenntnis noch etwas Größeres verbirgt. Diese intensive Atmosphäre macht das Buch zu einem echten Pageturner.
Besonders spannend fand ich außerdem, dass die Geschichte von realen historischen Ereignissen inspiriert wurde. Ich mag solche historischen Bezüge sehr, weil sie einer Geschichte zusätzliche Tiefe verleihen. C.J. Cooke gelingt es hier mMn. hervorragend, historische Fakten mit einer fiktiven Handlung zu verweben, ohne dass es konstruiert wirkt. Gleichzeitig regt das Buch zum Nachdenken an und erinnert daran, welches Leid unzähligen Frauen in dieser Zeit widerfahren ist.
Vor allem Alisons Geschichte hat mich deswegen tief berührt. Es tat mir unglaublich leid, was ihr und ihrer Familie angetan wurde. Die Grausamkeit der Hexenprozesse wird eindringlich geschildert, ohne dabei sensationsheischend zu wirken. Bis zuletzt habe ich auf ein anderes Ende für Alison gehofft, obwohl man historisch natürlich weiß, welches Schicksal ihr bevorstand. Gerade deshalb waren ihre Kapitel besonders emotional, mitfühlend und tragisch. Sie zeigen auf erschreckende Weise, wie schnell Angst, Aberglaube und Machtmissbrauch das Leben unschuldiger Menschen zerstören konnten.
Aber auch die Gegenwartshandlung konnte mich vollkommen überzeugen. Clem hat mir als Figur sehr gefallen. Ihre Verzweiflung, ihre Sorge um Erin und ihr unermüdlicher Kampf, die Wahrheit herauszufinden, wirkten jederzeit authentisch und greifbar. Ihre Gefühle werden ebenso überzeugend dargestellt wie Erins Verwirrung nach dem Erwachen oder die Unsicherheit aller Beteiligten angesichts der mysteriösen Ereignisse. Die Figuren handeln nachvollziehbar und verleihen der Geschichte eine zusätzliche emotionale Ebene.
Fazit
Insgesamt ist "The Book of Witching" ein intensiver, atmosphärischer und bewegender Roman, der weit mehr ist als nur eine spannende Mystery-Geschichte. Er verbindet historische Realität mit übernatürlichen Elementen, regt zum Nachdenken an und erzählt gleichzeitig eine emotionale Geschichte über Familie, Verlust, Schuld und Hoffnung.