So so schön!
Caroline O'Donoghue hast so einen klugen, warmherzigen und zugleich schonungslos ehrlichen Roman über das Erwachsenwerden geschrieben. Ich hab dieses Buch mit so viel Freude gelesen! So schön! Aber worum geht es eigentlich? Erzählt wird in "Die Sache mit Rachel" die Geschichte rückblickend aus der Perspektive der erwachsenen Rachel Murray, die inzwischen als Journalistin arbeitet und auf ein prägendes Jahr in ihren Zwanzigern zurückblickt - eine Phase, in der vieles gleichzeitig möglich schien und doch nichts wirklich sicher war.Die Handlung setzt in Cork ein, wo Rachel kurz vor dem Abschluss ihres Studiums steht und versucht, sich zwischen Nebenjobs, Seminaren und ersten ernsthaften Beziehungen zu orientieren. In einer Buchhandlung lernt sie James Devlin kennen, einen ebenso scharfzüngigen wie sensiblen Mitstudenten. Aus dieser Begegnung entwickelt sich schnell eine enge Freundschaft, die das emotionale Zentrum des Romans bildet. Rachel und James werden Mitbewohner, Vertraute und Komplizen, ihre Dialoge sind geprägt von Witz, Ironie und einer Offenheit, die zugleich Nähe und Abhängigkeit erzeugt. Diese Freundschaft ist nicht idealisiert, sondern zeigt sich in all ihrer Ambivalenz - unterstützend, fordernd und mitunter verletzend.Parallel dazu beginnt Rachel eine Affäre mit ihrem verheirateten Literaturprofessor Dr. Fred Byrne. Diese Beziehung ist von Beginn an unausgewogen und emotional riskant, wird von Rachel jedoch mit einer Mischung aus Naivität, Leidenschaft und dem Wunsch nach Bestätigung verfolgt. O'Donoghue schildert diese Dynamik ohne romantische Verklärung und macht deutlich, wie sehr Machtverhältnisse, Selbstzweifel und Projektionen die Wahrnehmung der Beteiligten verzerren. Die Versuche, Fred näherzukommen - etwa durch literarische Veranstaltungen oder gemeinsame Gespräche - führen zu Situationen, die zugleich komisch, peinlich und schmerzhaft ehrlich sind.Stilistisch fand ich den Roman sehr klar und mit einer ganz pointierten Sprache ausgestattet, die Humor und Ernst mühelos miteinander verbindet. O'Donoghue beobachtet ihre Figuren mit großer Genauigkeit und erlaubt ihnen, widersprüchlich, unsicher und nicht immer sympathisch zu sein. Und das ist beim Lesen auch manchmal ein klein wenig herausfordernd, aber eben auch richtig gut! Man rutscht in die Geschichte rein - ob man will, oder nicht! Besonders sensibel geht O'Donoghue - zumindest nach meiner Meinung - mit Fragen von Identität und Sexualität um, was ich sehr schön finde. James' eigene Auseinandersetzung mit seiner sexuellen Orientierung und familiären Belastungen wird ruhig und ohne Klischees erzählt und ergänzt Rachels Perspektive um eine weitere Dimension und gibt dem ganzen Roman zusätzlich Tiefe. Die Freundschaft der beiden gewinnt dadurch an Komplexität, bleibt aber auch von Spannungen geprägt, weil Nähe und gegenseitige Abhängigkeit zunehmend auf die Probe gestellt werden."Die Sache mit Rachel" ist ein wirklich toller Roman, der mich oft zum Lachen gebracht hat, um mich im nächsten Moment ernüchtert zurückzulassen. Er erzählt von jener Lebensphase, in der jede Erfahrung übergroß wirkt, jede Entscheidung endgültig scheint und man sich selbst erst langsam zusammensetzt - zu dem wer man dann als erwachsene Person zu sein scheint. Caroline O'Donoghue gelingt es, diese Zeit mit großer Authentizität einzufangen - humorvoll, scharfsinnig und emotional tief. Das Buch ist damit nicht nur eine Geschichte über Liebe und Freundschaft, sondern auch eine eindringliche Reflexion darüber, wie wir zu den Menschen werden, die wir später sind. Und das ist auf der ganzen Lesereise wirklich so schön zu verfolgen und berührt das Herz. Zumindest meins hat es tief berührt!