Packender, mitreißender, zerstörender Thriller. Großartig geschrieben. Starke Protagonistin, die einen mitleiden lässt.
Maklerin Annie hat den Tag mit einer Open-House-Besichtigung hinter sich gebracht und möchte gerade Feierabend machen. Da taucht ein Mann auf, der sich das Haus noch anschauen wird. Die pflichtbewusste Karrierefrau zeigt dem Kunden das Haus. Doch dieser nutzt die Chance, um Annie zu entführen und sie muss durch die Hölle gehen¿ Das war wieder ein sehr heftiger Thriller der Autorin. Letztes Jahr habe ich ¿Those Girls ¿ Was dich nicht tötet¿ von ihr gelesen und dieser hat mich so begeistert, weil dieser über Grenzen hinausgeht. Chevy Stevens hört nicht auf, selbst wenn es längst schon zu sehr schmerzt. Gnadenlos lässt sie ihre Figuren leiden und was Annie in diesem Buch durchmachen musste, lässt einen Menschen zerbrechen. Das Buch ist auch interessant erzählt. Annie erzählt ihre Geschichte aus der Ich-Perspektive, aber nicht einfach den Leser, sondern ihrer Therapeutin. Die Kapitel heißen nicht Kapitel, sondern Sitzungen, wie Therapiesitzungen. Das war wirklich sehr spannend, das mal so zu erfahren. Und auch wenn man denkt, dass es ja langweilig ist, weil man ja so weiß, dass Annie die Entführung überlebt, da sie ja mit ihrer Therapeutin reden kann, dann kann ich nur dazu sagen, dass das längst nicht das Schlimmste war.Ich dachte am Anfang, als ich so die ersten Kapitel gelesen habe und bereits heftige Dinge passiert sind, was denn da noch alles kommen soll. Aber ich hätte daran denken sollen, dass es bei ¿Those Girls¿ auch ständig eine Steigerung gab und wenn man denkt, dass man am Gipfel der Unglaublichkeiten und Grausamkeiten angekommen ist, legt die Autorin noch eine Schippe drauf. Einfach klasse. Und jetzt könnte ich gar nicht sagen, wenn ich am Ende des Buches mehr hasse / verachte ¿ den Täter oder denjenigen, der das Ganze überhaupt ausgelöst hat.Man muss nur dazu sagen, dass diese Bücher nicht für jeden etwas sind, da hier einiges von dem Leser abverlangt wird. Doch wer das ertragen kann und heftige Themen lesen möchte, der ist bei dieser Autorin an der richtigen Adresse. Ich fand den Einstieg etwas schwierig, da Annie sehr ruppig/schnippig zu ihrer Therapeutin war. Leser, die schnell abbrechen, könnten bereits da die Geduld verlieren. Wobei ich wirklich sagen muss, dass ich das nur auf den ersten Seiten so empfand und dann habe ich mich schnell an Annies Art gewöhnt. Besonders weil das Buch nicht lange um den Brei redet, sondern es schnell in die Vollen ging. Schonungslos hat Annie ihre Geschichte erzählt.Ich fand auch gut, dass sie es nicht ganz chronologisch erzählt, sondern wenn ihr die Vergangenheit für den Moment zu viel wurde, dass sie dann in die Gegenwart gewechselt ist und erzählt hat, was aktuell passiert oder was unmittelbar nach ihrer Rettung geschehen ist. Diese Abwechslung hat der Geschichte auf jeden Fall gutgetan.Annie als Figur wurde sehr gut dargestellt und ich habe so mit ihr mitgelitten. Sie tat mir einfach nur leid. Gleichzeitig konnte ich nicht all ihre Handlungen nachvollziehen, besonders wie sie mit ihrem engeren Umfeld umgegangen ist. Aber das hat mir die Figur nur umso authentischer gemacht, denn ihr Verhalten kann man wohl nur nachvollziehen, wenn man das selbst durchgemacht hat und darauf möchte ich wirklich verzichten. Ich habe ja bereits geschrieben, dass die Autorin immer eine Schippe draufgesetzt hat und ich habe mich auch die ganze Zeit beim Lesen gefragt, warum Annie entführt wurde. Klar kann es passieren, dass so ein Irrer einen stalkt, dieser sich reinsteigert und es dann zum Unglaublichen kommt. Aber irgendwie muss er doch auf sie aufmerksam geworden sein. Und was da am Ende dahintersteckte¿ puh. Daher fand ich auch die zweite Hälfte, als es mehr um das Danach ging um eine ganze Ecke heftiger. Weil von dem Typen habe ich nach einer Weile bei den Erzählungen nichts Gutes mehr erwartet, aber wenn man bedenkt, wer sie in die Situation überhaupt gebracht hat¿Selbst der letzte Satz ist auf den Punkt getroffen, dass er mir lange im Gedächtnis bleiben wird, was wirklich eine Besonderheit. Bei welchen Büchern könnte ich schon sagen, wie der letzte Satz lautete? Selbst direkt nach dem Lesen habe ich den selten noch präsent im Kopf. Als kleiner Fact am Ende: Wie immer gab es noch ein paar Worte zur Autorin und wenn ich das richtig verstanden habe, dann war das Chevy Stevens erster Thriller. Mir ist eine Gänsehaut über den Körper gelaufen, als ich gelesen habe, dass sie selbst Maklerin war und ihr die Idee bei einer Open-House-Besichtigung kam. Wie gruslig, dass ihr solche Gedanken durch den Kopf schwirren und gleichzeitig genial, dass sie das aufs Papier gebracht hat. Fazit:Das war ein verdammt gutes und intensives Buch. Gerade nach der Hälfte konnte ich es kaum mehr aus der Hand nehmen. Für mich kommt es nicht ganz an ¿Those Girls¿ heran, weil es mich nicht von Anfang an in seinen Bann gezogen haben, aber es ist verdammt nah dran. Chevy Stevens mausert sich neben Rebekah Stoke für mich zu einer Thriller-Queen. 4,5 Sterne.