Willenbrock als Taschenbuch
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Willenbrock

Ausgezeichnet mit dem Premio Grinzane Cavour 2002 für Ausländische Prosa. Roman. 'suhrkamp taschenbücher…
Taschenbuch
Bernd Willenbrock, ehemals Ingenieur in einem DDR-Betrieb, führt im Berlin der späten neunziger Jahre erfolgreich einen Gebrauchtwagenhandel im Beruflichen wie im Privaten scheint alles zu stimmen: Die Ehe funktioniert, die Gattin hat Spaß an der Arb … weiterlesen
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Willenbrock als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Willenbrock
Autor/en: Christoph Hein

ISBN: 3518397966
EAN: 9783518397961
Ausgezeichnet mit dem Premio Grinzane Cavour 2002 für Ausländische Prosa. Roman.
'suhrkamp taschenbücher Allgemeine Reihe'.
Neuauflage.
Fotos von Thomas Sandberg
Suhrkamp Verlag AG

1. Februar 2008 - kartoniert - 320 Seiten

Beschreibung

Bernd Willenbrock, ehemals Ingenieur in einem DDR-Betrieb, führt im Berlin der späten neunziger Jahre erfolgreich einen Gebrauchtwagenhandel im Beruflichen wie im Privaten scheint alles zu stimmen: Die Ehe funktioniert, die Gattin hat Spaß an der Arbeit in der eigenen Boutique und ahnt nichts von Willenbrocks gelegentlichen Treffs mit attraktiven Kundinnen. Doch allmählich, erst unmerklich, dann unübersehbar, beginnen alle Sicherheiten des zivilisierten Lebens zu bröckeln: Diebstahl, Raubüberfall, Einbruch - hinter vermeintlich geordneten Verhältnissen wird ein Dschungel sichtbar, in dem nur noch eine Regel gilt: Hilf dir selbst! Christoph Hein legt in seinem "jüngsten, schönsten und reifsten Roman", wie Die Welt urteilte, nach und nach bloß, was sich unter der Decke der Wohlanständigkeit verbirgt, wie die anfängliche Gelassenheit seines Helden in Resignation und Zynismus umschlägt. Mit äußerster Genauigkeit und scheinbar leichter Hand erzählt er von unseren Verhältnissen, hinter deren Fassaden die Katastrophen nur notdürftig verborgen sind.

Portrait

Christoph Hein wurde am 8. April 1944 in Heinzendorf/Schlesien geboren. Nach Kriegsende zog die Familie nach Bad Düben bei Leipzig, wo Hein aufwuchs. Ab 1967 studierte er an der Universität Leipzig Philosophie und Logik und schloss sein Studium 1971 an der Humboldt Universität Berlin ab. Von 1974 bis 1979 arbeitete Hein als Hausautor an der Volksbühne Berlin. Der Durchbruch gelang ihm 1982/83 mit seiner Novelle Der fremde Freund / Drachenblut.

Hein wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Uwe-Johnson-Preis und Stefan-Heym-Preis.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 12.04.2000

Teufelspakt mit einem Zivilisten
Von heute an im Vorabdruck: "Willenbrock", der neue Roman von Christoph Hein

Es ist gefährlich, Taxifahrer zu erfinden. Denn sie sind Figuren von niederschmetternder Berechenbarkeit. Das ist ihre Rache für das ständige Herbeizitiertwerden in hastig geschriebenen Reportagen, in denen sie Volkes Stimme einen möglichst fülligen Körper zu geben haben. Christoph Hein kann in seinem neuen Roman auf dergleichen kunsthandwerkliche Skrupel keine Rücksicht nehmen. Irgendwie muss Bernd Willenbrock vom Krankenhaus, wo er sich hat röntgen lassen, zurück in sein Landhaus am Stettiner Haff, in dem er in der Nacht zuvor überfallen und mit Eisenstangen traktiert wurde. Für den Rücktransport ist das Krankenhaus nun einmal nicht zuständig.

Also Taxi. Als Willenbrock sagt, dass er überfallen wurde, pfeift der Fahrer durch die Zähne und sagt: "Willkommen im Club." Am Ende der Fahrt greift er unter sein Lenkrad und zieht eine Pistole hervor: "Das ist meine Risikoversicherung. Sie beruhigt ungemein." Christoph Hein kann sich seiner Geschichte so sicher sein, dass er sich vom Klischee nicht schrecken lassen muss. Er erzählt die Geschichte des Berliner Gebrauchtwagenhändlers Bernd Willenbrock durch das Klischee hindurch. Er macht aus dem Taxifahrer eine flüchtig auftauchende Doppelgängerfigur, holt ihn in eine Teufelspakt-Erzählung hinein, deren romantische Urbilder freilich in der durch und durch prosaischen Welt dieses Helden kunstvoll versteckt sind.

Die Versuchung ist ein schwarz schimmernder, metallisch kühler Revolver, den ein ebenso verlässlicher wie zwielichtiger russischer Kunde dem Gebrauchtwagenhändler als Schutz gegen Überfälle anbietet. Und von Überfällen ist Willenbrock wahrlich geplagt. Der Osten, dem er seine besten Kunden verdankt, ist zugleich eine Welt, von der Gefahren ausgehen. Das Experiment, dem Christoph seinen Helden aussetzt, lässt sich in die Frage fassen: Wieviele Überfälle hält einer aus, bis er den Rechtsstaat Rechtsstaat sein lässt und beim Faustrecht Zuflucht sucht?

Die Frage gewinnt ihre Spannung nicht zuletzt daraus, dass der Held gegen das Klischee besetzt ist. Er ist ehemaliger DDR-Bürger knapp zehn Jahre nach der Wende, aber auf die Frage, wie es ihm geht, kann er lapidar antworten: "Spitzensteuersatzmäßig." Auf seinen polnischen Mechaniker kann er sich verlassen, das Geschäft geht so gut, dass er seiner Frau eine Boutique hat einrichten können. Gut, er war früher Ingenieur in einem volkseigenen Betrieb, der nach dem Mauerfall Pleite machte. Dass er nie Dienstreisen, schon gar nicht in den Westen, machen durfte, hatte er der Bespitzelung durch einen Kollegen zu verdanken. Aber nicht dessen Enttarnung zieht ihm den Boden unter den Füßen weg. Sondern die Erfahrung des Überfalls, der Wehrlosigkeit. Eigentlich könnte er die alten Stasi-Geschichten auf sich beruhen lassen. Darin ähnelt er seinem Autor, der die Vergangenheit nur hochkommen lässt, um ihr mit der Gegenwart den Garaus zu machen. Diese Gegenwart aber ist aus jenem Stoff gemacht, aus dem rechte Protestparteien nicht nur in den neuen Bundesländern ihre Wahlbroschüren destillieren: dem Anschlag krimineller Banden aus dem Osten Europas auf den nichts ahnenden Bundesbürger.

Christoph Hein, seit "Horns Ende" (1985) ein verlässlicher Chronist der Gesellschaften, in denen er lebt, stellt sich in diesem Roman der Aufgabe, diesen Stoff mit den Mitteln der Literatur zu entgiften. Hätte er es sich dabei leicht gemacht, es wäre eine moralische Erzählung, ein willkommenes Plädoyer gegen hysterische Ängste samt probater Warnung vor der Dämonisierung des Ostens dabei herausgekommen. Aber Christoph Hein gestattet es sich, seine Ängste als begründet darzustellen. Seine Russen sind wie seine Taxifahrer: Klischees, denen er eine psychologische Erzählung abgewinnt.

In den in Amerika für das Durchspielen des Konflikts zwischen Sicherheitsbedürfnis und Rechtsstaat zuständigen, seit Generationen erprobten Genres, im Western und im Kriminalroman, hätte der Held von Beginn an eine Waffe. Christoph Hein aber geht von deutschen Spielregeln aus. Ihm wird der Prozess der Selbstbewaffnung zu einem dramatischen Geschehen, und er ist klug genug, seinen Helden nicht schon von Beginn an rot sehen zu lassen. Bernd Willenbrock ist ein wenig gebildeter, als es das Klischee des Gebrauchtwagenhändlers vorsieht. Er ist sehr viel korrekter in seiner Buchführung und unendlich viel skrupulöser gegenüber aller Gewaltanwendung. Waffennarren hat er stets verachtet. Es braucht einige Zeit, einen solch instinktiven Zivilisten in die Falle der Selbstjustiz zu treiben. Eben deshalb taugt er zum Helden einer Teufelspaktgeschichte, in der am Ende ein Schuss fällt und bekehrte Finger vorsichtig über das glänzende Metall streichen.

LOTHAR MÜLLER

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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